Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688768
Dritte Periode. 
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der Gallerie mit doppelten (jetzt in der ursprünglichen Anordnung her- 
gestellten) Säulenstellungen ausgefüllt, von denen die oberen, in hässlich 
unvermittelter byzantinischer Weise, gegen die Bogenwölbung anstossen. 
Das Säulemnaterial war aus der Ferne, zum Theil aus Ravenna, herbei- 
geführt; die Details der Architektur haben, ohne sonstige Byzantinismen, 
einen dumpf römischen Charakter. Merkwürdig sind die gleichfalls er- 
haltenen massenhaft gegossenen Bronzewerke, Thüren und Gralleriebrüstun- 
gen, mit zum Theil allerdings sehr glücklicher (in diesem Falle byzan- 
tinisirender) Durchbildung.  Von den übrigen Bauten Karls ist nichts 
erhalten. Unter seinen Pfalzen war besonders die von Ingelheim durch 
ihre Säulenmenge, auch durch die mit ihr verbundene Basilika von Be- 
deutung.  
Unteuden ausgezeichneten Männern, welche den näheren Freundes- 
kreis Karls d. Gr. bildeten, werden mehrere genannt, die sich in der Lei- 
tung bedeutender Bauten Ruhm erwarben. Alcuin war bereits früher, 
in England, bei dem Neubau der Kirche S. Peter jYoi-k beschäftigt ge- 
wesen, die im J. 780 geweiht wurde und deren Schilderung eine glän- 
zende Basilika erkennen lässt. Ansegis leitete den Bau der Aachener 
Münsterkirche; nachmals, als Abt von St. Wandrille (823-833), führte 
er in diesem Kloster bedeutende bauliche Anlagen aus. Einhard, einer 
der jüngeren des Kreises, wurde von Karl vielfach zur Leitung andrer 
Bauten benutzt. Briefe seiner späteren Zeit,  in welcher er u. A. die 
Biographie Karls in klassischem Latein, wie kein andrer Autor des Mittel- 
alters, schrieb,  zeigen ihn in eifrigem Studium des Werkes von Vitruv, 
also um Aneignung der Regeln der klassischen Architektur bemüht. Aus 
eignen Mitteln, baute er eine stattliche Kirche zu Michclstadt im Oden- 
wald. Ein erhaltenes Gebäude, welches mit seiner Richtung in Verbin- 
dung zu stehen scheint, wird im Folgenden genannt werden.  Ein über- 
aus merkwürdiger grosser Bauriss, für den Neubau des Klosters St. 
Gallen bestimmt und in der dortigen Bibliothek aufbewahrt, wurde im 
dritten Jahrzehnt des neunten Jahrhunderts von einem der höheren Geist- 
lichen des fränkischen Kaiserhofes gefertigt. 1 Er umfasst alle Anlagen, 
deren ein bedeutendes Kloster bedurfte. Der Entwurf der Kirche zeigt 
eine Säulenbasilika mit hohem Vorraume vor der östlichen Tribuna (und 
der Angabe einer Krypta unter diesem) und mit einer zweiten Tribuna 
auf der Westseite, das gesammte Innere zugleich, in merklichem Wider- 
spruch gegen die schlichte Grösse der Basilikendisposition, von Ohor- und 
Kapellenschranken, Altären, Kanzeln u. dergl. erfüllt. 
Verschiedene Baureste des fränkischen Reiches bekunden das Hervor- 
brechen einer eigenthümlichen Geschmacksrichtung, bei welcher, wie es 
scheint, ein fremdländisicher Einfluss mitwirkend war. Es sind zunächst 
künstlerische Bestrebungen in Constantinopel, welche über dies Ver- 
hältniss einen Fingerzeig gewähren. 
Hier schmückte der Kaiser Theophilus (829-842) die Stadt mit 
neuen Prachtbauten. Die Berichte über seinen Palast, welcher aus einer 
1 F. Keller, der Bauriss des Klosters 
Taf. 34, Fig. 11. 
(Facsimile) 
Gallen.
        

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