Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688740
Zweite Periode. 
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gehören der Kunstthätigkeit im longobardischen Reiche an. Dass diese 
indess nicht so durchaus barbarisch gewesen, scheint aus der Nachricht 
von Wandmalereien mit Darstellung der longobardischen Geschichte her- 
vorzugelien, welche die Königin Theudelinde zu Anfang des siebenten Jahr- 
hunderts in ihrem Palaste zu Monza ausführen liess und welche wenig- 
stens geeignet waren, dem Geschichtsschreiberl zu genauen Beobachtun- 
gen über das damalige Kostüm des Volkes Gelegenheit zu geben. 
Von der bildlichen Ausstattung, namentlich der kirchlichen Gebäude 
in den übrigen Landen germanischer Herrschaft ist, ausser einzelnen all- 
gemeinen Notizen über das Vorhandensein einer solchen, nichts Weiter 
bekannt. 
Für den Betrieb der Miniaturmalerei im Laufe dieser Periode 
liegen nunwenig Proben vor. Arbeiten byzantinischer Kunst von höherer 
Bedeutung sind, ausser der schon besprochenen Rolle mit der Geschichte 
des Josua (S. 230) nicht namhaft zu machen. Ein Paar italienische Ar- 
beiten, die Bilder einer Bibel in der Bibliothek von S. Lorenzo zu Florenz, 
etwa aus dem sechsten Jahrhundert, und die eine1' andern in der Dom- 
bibliothek von Perugia, aus dem siebenten oder achten Jahrhundert, 
enthalten rohe und geistlose Nachahmungen überkommener Formen; die 
eines Evangeliariums in der Bibliothek Ste. Genevieve zu Paris, aus 
dem Anfange des achten Jahrhunderts, sind in der Behandlung etwas 
s orglicher. 
Von eigenthümlicher Bedeutung dagegen ist die Weise der irischen 
Miniaturmalerei, die auch in der angelsächsischen Kunst bei Ausstattung 
der heiligen Bücher Aufnahme fand. 2 Hier macht sich, im entschiedenen 
Gegensatze gegen die antike Tradition, ein nordisch nationelles Element 
mit voller Bestimmtheit geltend (auffälliger, als wir es bei der Architektur 
nachzuweisen vermögen.) 3 Der Sinn für das Figürliche ist in ein ara- 
beskenhaft barockes Wesen aufgelöst, welches in dem so reich phantasti- 
schen wie höchst zierlichen Schlangen- und Bandgeschlinge der Rand- 
verzierungen seine Triumphe feiert. Es steht jedenfalls im unmittelbaren 
Wechselverhältniss zu jener, schon in der heidnischen Kunst des Nordens 
hervorgetretenen künstlerischenVerzierungsweise. 4 Auch die Behandlung 
ist eine durchaus andre, als in den, der antiken Malertechnik folgenden 
Miniaturen: scharfe, sehr genau geführte Umrisse mit verschiedenartig 
bunter Oolorirung. Zu den ältest bestimmbaren Beispielen gehören die 
Miniaturen eines Evangeliariums in der k. Bibliothek zu Paris; welches 
der heilige Willibrord besass und welches somit nicht später als in den 
Anfang des achten Jahrhunderts fallen kann. 5 Die in irischer Weise 
ausgeführten Miniaturen des angelsächsischen Evangelienbuches im briti- 
1 Paulus Diaconus, IV, 23.  2 Waagen, deutsches Kunstblatt, 1850, S. 83. 
 3 Vergl. oben, S. 238.  4 Vergl. oben, S. 6. u.f. Der Ursprung dieser phan- 
tastischen Ornamentik muss, wie es scheint, bei den keltischen Völkern gesucht 
werden; die skandinavischen und germanischen Stämme dürften sie von diesen 
überkommen haben.  5 Waagen, a. a. O. (Vergl. Kunstwerke und Künstler in 
Paris, S. 
        

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