Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688671
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VIII. 
Die ältchristliche Kunst. 
Justinian überging. Es sind breite basilikenartige Bauten mit Gallerieen 
über den Seitenräumen und mit gewölbter Bedeckung, der Art, dass in 
der Mitte des Hauptschilies allerdings die Kuppel (in etwas erhöht, über 
einem sog. Tamboun) blieb, doch sonst alle bunteren Grundrisslinien ver- 
mieden wurden, Während sich in der Tiefe des Gebäudes die Tribuna des 
Altares, auch kleinere Seitentribunen in einfacher Weise anschlossen. Zu 
den Anlagen der Art gehören einige kleinasiatische Kirchen, die des h. 
Clemens zu Ancyra in Galatien und zwei in Lycien, im Thal von 
Cassaba und bei Myra, sowie die Kirche der h. Irene in Constanti- 
nopel, die letztere einem im achten Jahrhundert erfolgten Neubau an- 
gehörig. 1 
Anderweit scheint Thessalonica in seinen zu Moscheen umgewan- 
delten Kirchen vorzüglichst wichtige Beispiele für die Entwickelung und 
Fortbildung des byzantinischen Baustyles im Laufe der in Rede stehen- 
den Periode zu besitzen. Einige haben noch die eigentliche Basiliken- 
form, mit Säulengallerieen, andre sind Kuppelbauten. Eine nähere Durch- 
forschung ist ihnen bis jetzt nicht zu Theil geworden. 
Die italienische Architektur dieser Periode hat keine hervorragende 
Bedeutung. Das "Wichtigere, was ausgeführt wurde, bekundet einen by- 
zantinischen Einfluss, während im Uebrigen die in der vorigen Periode 
festgestellten Formen in sehr bescheidener Weise wiederholt werden, 
Unmittelbar zeigt sich jener Einfluss in Ravenna, wie an S. Vitale, so 
auch an der, in der Vorstadt Classis gleichzeitig gebauten Kirche S. 
Apollinare (S. A. „in Classe"), 2 einer ansehnlichen Basilika von üblich ra- 
veiinatischer Anlage, aber in byzantinischem Geschmacke behandelt,  
derjenigen unter den grösseren italienischen Basiliken, welche die ur- 
sprüngliche Form und Wirkung am ungestörtestcn bewahrt hat. Ebenso 
in dem Dome von Parenzo, an der gegenüberliegenden istrischen Küste, 
einer Basilika, deren Säulendetails die von S. Vitale wiederholen.  
Rom hat, aus dem Ende des sechsten und dem Anfange des folgenden 
Jahrhunderts, zwei Basiliken, S.Lorenzo fuori le mura (d. h. den älteren, 
nachmals zum Chore umgewandelten Theil dieser Kirche) und S. Agnese, 3 
die nach byzantinischer Art mit Gallerieen über den Seitenschiffen und 
mit jenen charakteristischen Bogenaufsätzen über den Kapitälen der Säulen 
versehen sind. Die aus dem weiteren Verlauf des siebenten und aus dem 
achten Jahrhundert herrührenden Basiliken Remis, S. Giorgio in Velabro, 
S. Giovanni a porta latina, S. Maria in Cosmcdin, sind von höchst ein- 
facher Beschaffenheit; die letztere mit breiten Pfeilern zwischen den Säulen- 
stellungcn des Schiffes, welche in etwas an byzantinische Raumabtheilungen 
(für die mehrgegliederten ritualcn Zwecke des Cultus) erinnern.  Lucca 
hat ein Paar ziemlich rohe Basiliken aus dem siebenten und achten Jahr- 
hundert, S. Frediano und S. Micchele (beide mit späteren Abänderungen 
Fig" 
1 Denkm. der Kunst, Taf. 
ö.  3 Ebend. Fig. 6. 
35 
A1 Fig. 
und 4. 
Denkm. 
Taf. 
341
        

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