Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688652
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VIII. 
Die altchristliche Kunst. 
Wölbung an die grossen Bögen anlehnt, welche die Kuppel des Mittel- 
raumes tragen, gliedert den Raum, einfacher in SS. Sergius und Bacchus, 
reicher in S. Vitale, während das Säulenwerk, durch welches sie aus- 
gefüllt sind, phantastische Durchblicke gewährt. 1 
In verwandtem Sinn, aber in riesigem Maassstabe und mit der be- 
stimmten Absicht, die Längenwirkung der Basilika mit der centralisirenden 
Kraft einer mächtigen Hauptkuppel zu verbinden, wurde sodann die Kirche 
der h. Sophia (derh. Weisheit) zu Constantinopel ausgeführt. 2 Bau- 
meister derselben waren Anthemios .v0n Tralles und Isidoros von 
Milet. Der Bau währte von 532 bis 537; nach einem Erdbeben im 
J. 558, welches die Hauptkuppel erheblich beschädigte, wurde, mit Höher- 
führung der letzteren und verstärkten Widerlagen, eine Herstellung be- 
gonnen und diese 563 vollendet. Die Kirche ist in dem Wesentlichen 
ihrer baulichen Theile unverändert erhalten. Hier ist der Gesammtbau 
wiederum viereckig und auch die Mittelkuppel erhebt sich, 100 Fuss weit 
und bis zu 179 F. über dem Fussboden emporsteigend, über einem vier- 
eckigen Mittelraume (vier Pfeilern und Bögen). Dem letzteren schliessen 
sich west- und ostwärts grosseHalbkreisräume an, mit Halbkuppeln be- 
deckt, welche sich an die Bögen des Mittelraumes anlehnen. Beide Halb- 
kreisräume sind den vorhin genannten Kirchen ähnlich behandelt, wie- 
derum mit Säulennischen (je zweien, zu den Seiten), welche in die Seiten- 
räume hineintreten, während sich ostwärts die vertiefte Tribunennische 
anschliesst und westwärts die zum Narthex führenden Pforten eingefügt 
sind. S0 bildet sich im Grundriss ein seltsam gestaltetes Langschiff, in 
welches sich die SeitenschiHe und die Gallerieen über diesen, durch zwei- 
geschossige Säulenarkaden zwischen den Hauptpfeilern, öffnen. Die räum- 
liche YVirkung des Hauptschiifes ist, zumal bei der Menge der Fenster 
in Wölbungen und Wänden und der in der Fülle des Lichtes aufglän- 
zenden Pracht der Ausstattung, überaus gross und mächtig, aber nicht 
beruhigt in sich, der WViderspruch zwischen Längenperspective und cen- 
tralisirender WVirkung ungelöst, das Oonglornerat von Kuppeln, Bögen und 
ineinander gefügten Halbkuppeln nur in einer schematischen Weise, ohne 
organische Belebung, zum Ganzen verbunden. Es ist etwas von einem 
urweltlichen Massengefüge darin, auch in der wenig organischen Verbin- 
dung dieser WVölbungen mit denen der Seitenräume, was jedoch, bei der 
Menge der Einzeltheile, einen ungemein grossen Wechsel malerisch phan- 
tastischer Durchblicke durch die Räume gewährt. Auch das Aeussere 
der Sophienkirche baut sich in seinen Constructionen, einem urweltlichen 
Erzeugniss vergleichbar, schwer und massenhaft empor. 
Die Behandlung des architektonischen Details ist in den drei bespro- 
chenen Kirchen nicht minder ähnlich, den Typus der byzantinischenForm 
in charakteristischer Weise feststellend- Die Grundlage der Detailform 
ist vorherrschend noch immer die antike, wenn auch völlig ohne Ver- 
ständniss der Entwickelung und des ästhetischen Zweckes ihrer Theile. 
 
1 Bei dieser Anordnung ist auf die vorbildliche Anlage 
Mailand (vgl. oben  219) zu verweisen.  2 Denkm. der 
35 A.  vgl. Salzenberg. 
von S. Lorenzo zu 
Kunst, Taf. 35 und
        

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