Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688625
Zweite Periode. 
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darstellungen der eben genannten Rolle des Josua in völlig gleichartiger 
Composition (sammt dem, was bei der letzteren am Anfange und Schlusse 
fehlt,) enthalten. 1 
eite 
ZW 
Perio 
Die zweite Periode der altchristlichen Kunst beginnt mit der Re- 
gierung Justinimfs (527-565), mit den grossartigen künstlerischen 
Unternehmungen, durch welche er die Macht der Kirche in neuem, hoch- 
gesteigerten Glanze, und gleichzeitig die eigne Herrschcrmacht, zu ver- 
herrlichen bemüht war. Alle Mitte] der Technik wurden aufgewandt, um 
künstlerische Oombinationen zu erzielen, welche das Gemüth des Be- 
schauers mit begeisterungsvollem Staunen zu erfüllen geeignet waren. 
Das Ziel dieses Strebens wurde vollständig erreicht. Aber eine neue 
künstlerische Belebung der Form war hiemit nicht ierbunden; vielmehr 
ist es wesentlich nur die alte Form, mehr und mehr willkürlich verwandt, 
mehr und mehr entartend und erstarrend, zum Theil mit Barbarismen 
eigner Erfindung versetzt, was die künstlerische Hülle jener neuen Com- 
binationen, ihre künstlerische Sprache bildet. Es ist die nbyzantinische" 
Kunst, welche hiemit, nach den minder entschiedenen Anfängen im Laufe 
der ersten Periode der altchristlichen Kunst, ins Leben tritt. 
Sie gehört, der Natur der historischen Verhältnisse gemäss, dem by- 
zantinischen Reiche an. Sie erscheint in der zweiten Periode der alt- 
christlichen Kunst als die überwiegende Macht. Die Leistungen der oc- 
cidentalischen Kunst stehen gegen die ihrigen im Schatten, bekunden 
nicht selten auch den vom Orient herüberströmenden Einfluss. Gleich- 
wohl macht sich bei den Unternehmungen der germanischen Völker, bei 
denen der Franken, auch der Longoharden und Angelsachsen, mehrfach 
ein entschieden energisches Streben (im Einzelnen selbst schon der Beginn 
einer selbständigen Bethätigung) bemerklich.  Die zweite Periode ist 
etwa bis in die Spatzeit des achten Jahrhunderts hinabzuführen, eine 
Epoche, mit welcher für die Kunst der europäischen Lande abermals ver- 
änderte Verhältnisse eintreten. 
Architektur. 
Zunächst ist es die byzantinische Architektur, die unter der Re- 
gierung Justiniams ein bestimmt eigenthümliches Gepräge gewinnt. Schon 
im Vorigen wurde darauf hingedciltet, dass die. orientalisch christliche 
Baukunst bereits zeitig von der des Westens abgewichen zu sein scheint, 
in einer üppigeren, phantastischeren Behandlung des Details, in einer ge- 
ringeren Neigung, die strenge Klarheit der altchristlichen Basilikendispo- 
Sition zu befolgen. Die Kirche von Antiochia (S. 216) erschien bereits 
1 F. Piper: der älteste christliche Bilderkreis, aufgefunden in einer griechi- 
schen Bibelhandschrift der vatikanischen Bibliothek. Allgemeine Zeiiung vom 
Jahr 1854, N0. 307, Beilage.
        

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