Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688575
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VIII. 
Kunst. 
altchristliohe 
Die 
Behandlung, sowohl im Technischen, als im inneren Gefühle und in der 
gedankenhaften Absicht verfolgen.  
Zunächst und zum sehr grossen Theile herrscht im Aeusseren das 
antike Gepräge noch unbedingt vor. Es sind noch die Formen, die Ge- 
berden, die Farbentöne der klassischen Kunst, die letzteren in dem vol, 
len, pastosen Auftrage, in dem weichen, harmonisch abgetönten Rhythmus, 
der der antiken Malerei eigen ist. Es geht, neben der Befolgung des 
klassischen Kostüms, noch ein entschiedener Zug des freien Lebensge- 
fiihles, der maassvollen Würde der hellenisch-römischen Kunst hindurch, 
ob die Behandlung auch mehr oder weniger flüchtig ist, ein Wirklich 
künstlerisches Verständniss zum Theil auch (bei unbehülflich grossen 
Extremitäten einzelner Figuren) schon in empfindlicher Weise vermisst 
wird. Ebenso entschieden aber macht sich die neue selbständige Em- 
pfindung, welche diese Gebilde hervorgerufen hat, geltend; es ist eine 
Der gute Hi 
Wandgemälde in den Katakox 
der h 
Agnes. 
Stille der Seele, eine Leidenschaftslosigkeit, eine ruhige Grösse in diesen 
Versuchen, die ihnen bei allen Mängeln oft einen so eigenthümliohen, 
wie tief innerlichen Reiz giebt. Die Katakomben der heiligen Agnes, 
des h. Calixtus, des h. Cyriacus, der hh. Thraso und Saturninus u. a. m. 
enthalten zahlreiche Beispiele der Art. Sie scheinen im Einzelnen noch 
dem dritten, in der Mehrzahl dem vierten Jahrhundert anzugehören. 
 Dann folgen Darstellungen eines roheren Uebcrganges. Die Form 
verwildert mehr, während der Ausdruck, das ganze Streben etwas Ecsta- 
tisches gewinnt. Es ist eine Epoche, die sich, mit sinkenden Mitteln, in 
ihrem leidenschaftlichen geistigen Schwunge zu bekunden strebt. Die 
Darstellungen in den Katakomben der Priscilla gehören vorzugsweise 
hieher. Sie scheinen aus dem fünften Jahrhundert herzurühren.
        

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