Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688501
Erste Periode. 
219 
jüngerer Zeit, ist die sechzehnseitige Kirche S. Angelo zu Perugia. 
Ungleich bedeutender, eins der mächtigsten Werke der altchristlichen 
Zeit, obschon durch spätere Umbauten verändert, ist S. Lorenzo Maggiore 
zu Mailand, das dem Ausgange des vierten Jahrhunderts anzugehören 
scheint? ein achteckiger Mittelbau mit einer Kuppel auf Pfeilern, erwei- 
tert durch vier grosse Halbkreisnischen, rings umgeben von niedrigen 
Umgängen, über welchen Emporen angeordnet sind, das Ganze zu quadra- 
tischer Grundform mit vorspringenden grossen Apsiden sich zusammen- 
schliessend, an der Seite des Haupteinganges mit zwei Treppenthürmen 
versehen. 
Eine eigenthümliche Gattung baulicher Anlagen bilden die Kata- 
komben Rom's; sie gehören zum Theil zu den allerfrühsten Zeugnissen 
des Daseins christlicher Gemeinden. Es sind unterirdische Grotten, die, 
auf viele Punkte der Umgebung Rom's zerstreut, durch zahllose, sich 
vielfältigst durchkreuzende Gange und kleine kapellenartige Räume ge- 
bildet werden. Man hat die Ausdehnung dieser Gange, soviel ihrer bis 
jetzt bekannt geworden, im Ganzen auf ein Längenmaass von mehr als 
150 Meilen berechnet. Sie dienten zum Begräbniss der christlichen Be- 
völkerung, zu Zufluchtsstätten in den Zeiten der Verfolgung, zur Aus- 
übung der Andacht über den Gräbern der Märtyrer. Ueberall in den 
Seitenwänden der Gange sind die flachen Grabnischen enthalten; ausge- 
zeichnete Personen, heilige Märtyrer haben ihre Gräber an bedeutender 
Stelle in den Kapellenräumen, in der Regel unter einer gewölbten Wand- 
nische, der Art, dass der Grabdeckel als Altarplatte dient. Zum Theil 
haben diese Kapellen eine architektonisch ausgebildete Gestalt, mit Eck- 
säulen und einer gewölbartig gegliederten Decke; doch sind die Einzel- 
formen roh, in der Regel etwa von einem etruskisch-dorischen Typus, 
oder mit dem Versuche phantastisch geschmückterer Form in den Säulen- 
kapitälen. Persönliche Unbehülilichkeit und Mangel einer irgend durch- 
greifenden vorbildlichen Uebung bei gewissen handwerklichen Traditionen 
scheinen sich in dieser WVeise der Behandlung gleich entschieden auszu- 
drücken; die Zeit der Beschaffung deutet hienach, wenn unstreitig auch 
Einzelnes in die ersten Jahrhunderte fallen wird, vorzugsweise und zumal 
bei jenen geschmückteren Räumen, wiederum auf das vierte und fünfte 
Jahrhundert. 2 
Was für ausserkirchliehe Zwecke gebaut wurde, folgte den Formen 
und Compositionen der klassischen Spätzeit. Die erhaltenen Beispiele 
1 Die gründliche Darstellung und Restihxtion dieses Monumentes verdanken 
wir Hübsch (vergl. Lief. 1 und 2 seines Werkes). Kugler selbst, der früher den 
altchristliehen Ursprung an S. Lorenzo bestreiten zu müssen glaubte, würde durch 
eine so gediegene Beweisführung ohne Zweifel überzeugt worden sein. W.  
2 In1 J. 1854 ist in einer neuentdeckten Begräbnissstätte, in den an der Vm 
Nomentana belegenen Katakomben des Grundstückes S. Agata in petra aurea, 
eine Kapelle von völlig basilikenartiger Form, mit Säulen, vorgefunden worden. 
Sie scheint dem vierten Jahrhundert anzugehören.
        

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