Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688490
 
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VIII. 
Kunst. 
altchristliehe 
Die 
sonst in der Epoche der altchristlichen Kunst überhaupt nicht mehr vor- 
kommt, und durch die Gestaltung der flachen Kuppel aus einem einzigen 
kolossalen Felsblock.  Anderweit empfahl sich, wie bei der Apostel- 
kirche zu Constantinopel, die Kreuzform des Grundrisses, wohl Weniger 
aus symbolischen, in der heiligen Kreuzform beruhenden Gründen (indem 
Wenigstens derartige Bezüge in der altchristlichen Architektur anderweit 
nicht hervortreten), als weil  ähnlich, wie selbst schon in antiken 
Gräberanlagen,  die Kreuzarme zur Aufstellung der Sarkophage und 
der Mittelraum zur Vollziehung der gottesdienstlichen Gebräuche die 
schicklichste Gelegenheit gaben. Ein erhaltenes Gebäude der Art ist die 
Grabkapelle der Galla Placidia, das sog. Kirchlein SS. Nazario e Oelso, 
zu Ravenna, aus dem fünften Jahrhundert. Hier sind die Kreuzarme 
durch Tonnengewölbe, der viereckige Mittelraum aber, erhöht, durch ein 
entsprechendes Kuppelsegment überwölbt,  ein beachtenswerther Anfang 
eines Kuppelsystemes, welches später in glänzender Entwickelung durch- 
geführt wurde. 
Für die Taufkapelle empfahl sich vorzugsweise eine centrale, 
kreisrunde oder polygonische Form, wobei die Mitte des Raumes durch 
das weite Taufbecken eingenommen wurde. Die bedeckten Schwimm- 
teiche in den römischen Thermen gaben zu solchen Anlagen ein natür- 
liches Vorbild; von ihnen empiing die Taufkapelle den Namen des Bap- 
tisteriums. Das ältest bekannte unter den christlichen Baptisterien 
ist die Kirche S. Maria maggiore bei N ocera, unfern von Neapel, ein 
Gebäude des vierten Jahrhunderts, der Anlage von S. Oostanza zu Rom 
sehr ähnlich, nur minder durchgebildet und die Kuppel über dem Mittel- 
raum nicht auf erhöhten Mauern ruhend. Zwei andre rühren aus dem 
fünften Jahrhundert her: das Baptisterium des Laterans zu Rom (S. Gio- 
vanni in Fonte), achteckig, mit einer Stellung von acht Säulen im Innern 
und einer (späteren) Oberstellung über diesen; und das Baptisterium bei 
der Kathedrale von Ravenna (ebenfalls S. Giovanni in Fonte genannt), 
achteckig und mit einer Kuppel überwölbt, die Wände mit Arkaden in 
zwei Geschossen geschmückt, von denen die oberen sich durch ein leb- 
haftes Gefühl für rhythmische Bogenanordnung auszeichnen. Völlig ein- 
fach ist das achteckige, kuppelgewölbte Baptisterium der Arianer (S. Maria 
in Cosmedin) zu R a v e n n a, aus dem Anfange des sechsten Jahrhunderts.  
Noch sind ein Paar Rundkirchen dieser Frühepoche, bei denen das 
etwanige Motiv zur Wahl einer derartigen Form nicht näher bekannt ist, 
anzuführen. Die eine ist die sehr alterthümliche ehemalige Kirche St. 
Georg zu Thessalonica, mit einer Kuppel überwölbt und mit tiefen 
Nischen in der Dicke der Umfassungsmauer. Die andre ist die Kirche 
S. Stefano rotondo zu Rom, aus der Spätzeit des fünften Jahrhunderts, 
ein Gebäude von höchst ansehnlicher Dimension, mit erhöhtem Mittel- 
raume, in der ursprünglichen Anlage von einem zwiefachen Säulenkreise 
umgeben und in den verschiedenen Theilen flach gedeckt. Die Anord- 
nung trapezförmiger Aufsätze über den Säulenkapitälen als Basis für die 
Bögen scheint hier einen auswärtigen (voraussetzlich byzantinischen Ein- 
fluss anzukündigen, wie solcher sich später mehrfach in Rom geltend 
macht. Ein Gebäude von verwandter Anlage, wohl nicht aus erheblich
        

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