Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1686334
Vorstufen 
künstlerisch er 
Gestaltung. 
Das 
nordeuropälisclle 
Alterthum. 
Urdenkmäler. 
Die ersten Denkmäler, welche errichtet wurden, waren naturgemäss 
von einfachster Beschaffenheit. Aufgethürmte Erdhügel, aufgeriehtete Stein- 
masseir bezeichneten die geweihte Stätte. Sie selbst hatten noch keine be- 
stimmte Gestalt; aber das Fremdartige, Machtvolle ihrer Erscheinung war 
gleichwohl geeignet, im Gemüthe des Menschen die hehre Empfindung her- 
vorzurufen, welche der Bedeutung des Denkmales entsprach. In allen 
Theilen der Erde haben sich solche Werke vorgefunden, Zeugnisse der 
gleichartigen Grundanlage, mit welcher die Geschlechter der Menschen in 
allen Zonen und zu allen Zeiten dem erwachenden geistigen Bedürfnisse 
Gestalt gaben. 
Der grösste Reichthum dieser urthiimlichen Denkmäler findet sich im 
Norden, auch im Westen Europals, in den Sitzen der keltischen und nord- 
germanischen Volksstälnme. 1 Hier erscheint auch die mannigfaltigste, zu 
einer eigenthümlichen Entwickelung dieser primitiven Stufe durchgeführte 
Behandlung. YVenn in anderen Ländern nicht allzu Vieles der Art, und 
namentlich nicht von denjenigen dieser Denkmäler, welche das einfache 
System zu reicheren Combinationen durchgebildet, untergegangen sein sollte, 
so wird angenommen werden müssen, dass jenen nordeuropäischen Stämmen 
ein strengeres Beharren an dem ursprünglichst Ergriifenen eigen war, und 
dass sie eben durch dieses Beharren zu jenen bedeutenderen Consequenzen 
geführt wurden. Das Zeitalter, welchem diese alten Denkmäler des euro- 
päischen Nordens angehören, lässt sich mit irgend welcher Bestimmtheit 
nicht angeben. Wir wissen nur, dass Kelten und Germanen in der spä- 
teren Zeit des letzten Jahrtausends vor Ohr. Geb. mit den südlichen 
Oulturvölkern in Berührung kamen, und wir haben in keiner Weise eine 
Berechtigung, die Denkmäler den Urzeiten des menschlichen Geschlechtes 
überhaupt zuzuschreiben. Aber weil sie die umfassendste Anschauung 
des vollkommen urthümlichen Standpunktes künstlerischer Bestrebung ge- 
Währen, sind sie vorzugsweise geeignet, die grosse Reihenfolge der künst- 
lerischen Entwickelungen zu eröffnen. Bei weitem die bedeutungsvolleren 
dieser Denkmäler gehören den keltischen Völkern an; sie finden sich so- 
mit insbesondere in denjenigen Landstrichen, in welchen das keltische 
Element sich am kräftigsten gegen das andringende Römerthum behaup- 
tete, in dem alten Armorika (der Bretagne und den nächstgelegenen 
Landstrichen Frankreichs) und auf den britischen Inseln. 
Folgendes sind die Hauptgattungen dieser Denkmäler: 
Der Hügel (Tumulus), der in halbkugelförmiger, in mehr ge- 
drückter, in langgestreckter, oder in hoher, gloekenförmiger Gestalt er-- 
1 F. J. Mone, Geschichte des Heidenthums im nördlichen Europa.  De 
Caumont, Cours dßmtiquites monumentales,  J. Gailhabaudä Denkmäler der 
Baukunst (Celtische Denkmäler).  Leitfaden zur nordischen Alterthumsklmde.  
G. Klemm, Handbuch der germanischen Alterthumskunde. U. a. m. (In diesen 
Werken auch die, zum Theil sehr ausgedehnte Literatur über die nord. Denkm.)
        

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