Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688479
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VIII. 
altchristliche Kunst. 
Die 
Einige namhafte Kirchen, die sich in der ursprünglichen Anlage, mit 
geringeren oder grösseren Abänderungen derselben, erhalten haben, be- 
zeichnen die verschiedenen Richtungen des Basilikenbaues, welehg sich 
solchergestalt im Laufe des fünften Jahrhunderts und im Anfange des 
folgenden geltend machten. In Rom sind es die Kirchen S. Sabina, 
S. Maria Maggiore (modernisirt, doch den Gesammteindruck vorzüglich 
entschieden vergegenwärtigend) und S. Pietro ad Vincula; in Ravenna, 
dessen Kathedrale früher eine fünfschiffige Basilika War und als solche 
schon im Anfange des fünften Jahrhunderts gebaut sein soll, die Kirchen 
S. Giovanni Evangelista, S. Agata, S. Francesco; in Oonstantinopel 
die Klosterkirche des Studios (Agios Johannes). Die Vorhalle der letz- 
teren ist mit Thürgerüsten zwischen den Säulen versehen und trägt hierin, 
wie in der Detailbehandlung, die Aufnahme des syrischen Geschmackes, 
welcher die antiken Elemente in einer barbarisirt glänzenden Weise um- 
gebildet hatte, deutlich zur Schau.  Aus dem Anfange des sechsten 
Jahrhunderts, der Regierungsepoche des grossen Theodorich, rühren zu 
Ravenna die vorzüglich gediegenen Basiliken S. Teodoro (S. Spirito) 
und S. Apollinare nuovo her.  
Der christliche BasilikenbauAegyptens, der der koptischenKirche, 
scheint sich schon in dieser Frühzeit in eigenthümlicher Weise ausge- 
prägt zu haben. Charakteristisch ist besonders das Hineintreten der 
Tribuna in den inneren Raum (wie an jener ältesten christlichen Basilika 
des Reparatus), was sich bereits an sehr alterthümlichen Basilikenresten 
des Landes Findet und was (zum Theil mit jüngeren Elementen von by- 
zantinisirender Art verbunden) bis auf die Spätzeit der koptischen Kirche 
und bei ihren Verzweigungen nach dem fernen abyssinischen Süden als 
allgemeine Regel erscheint. 
Die Form der Basilika war aber nicht die einzige, Welche man für 
kirchliche Gebäude anwandte. Es hat fast den Anschein, als 0b die 
orientalische Geschmacksrichtung schon zeitig sich in der ruhigen Grösse 
dieser Form (zumal in ihrer römischen Behandlung) nichtibefriedigt ge- 
fühlt und nach Anlagen von reicherer Wirkung gestrebt habe. Wenig- 
stens ward bereits unter Constantin die Hauptkirche von Antioehia 
sehr eigenthümlich in aehtcckiger Gestalt, mit Umg-ängen und Gallerieen 
umher, erbaut. Die Reste der Kirche des unfern von Antiochia belege- 
nen Klosters des h. Simon Stylites deuten auf eine, in den nächsten 
Jahrhunderten erfolgte Nachahmung dieser Anlage. Die Apostelkirehe 
zu Constantinopel, ebenfalls von Constantin erbaut, erhielt eine 
Kreuzform (später mit einer Kuppel in der Mitte). Bei der letzteren 
Kirche scheint der besondrc Zweck, indem sie zur Begräbnisskirche Con- 
stantin's bestimmt war, die Veranlassung zu der abweichenden Gestalt 
gegeben zu haben. 
byzantinisches Moment zu erkennen sein. Schon die unten zu nennende Säule 
des Marcian zu Consmntlnopel hat e1nen wirksamen Aufsatz ähnlicher Art.
        

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