Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688468
Erste Periode. 
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wonnenen breiteren Wa.nd- und Gewölbeilächen für die bildlichen Urkunden 
des neuen Glaubens. Zur anderweitigen Ausstattung des Inneren gehörte 
der Schmuck der Felderdecken mit prächtigem vergoldetem Täfelwerk, von 
welchem die Beschreibungen schon des vierten Jahrhunderts mehrfach 
sprechen (von welchem jedoch nichts auf unsre Zeit erhalten ist), und 
ebenso der Marmorschmuck der Fussböden. Das Aeussere dagegen war 
völlig schlicht gehalten und nur durch den Schmuck der Vorhalle oder 
des Vorhofes ausgezeichnet. 
Einrichtung und Ausstattung der Basiliken dieser Frühepochen er- 
hellen im Uebrigen aus den Schilderungen, welche Paulinrls, Bischof von 
Nola, von den kirchlichen Gebäuden hinterlassen hat, die durch ihn zu 
Nola um den Anfang des fünften Jahrhunderts ausgeführt wurden.  
So hatte sich im Laufe des vierten Jahrhunderts das Wesentliche in 
Form und Behandlung der christlichen Basilika, für die Zwecke des öf- 
fentlichen Cultus der Gemeinde, festgestellt. In Rom vornehmlich hielt 
man an diesen Ergebnissen fest; man baute zwar fortan fast ohne Aus- 
nahme nur dreisehifflge Basiliken (indem die Anlage fünfschifliger Gebäude 
als eine Auszeichnung von Kirchen eines vorzügliehst hohen Ranges gelten 
mochte); aber man unterliess nur in seltensten Fällen, nur unter eigen- 
thümlichen Einwirkungen, die Anlage der Querhalle oder des Querschiifes 
vor der Tribxma. Man wahrte hiemit vorzugsweise den Eindruck einfach 
erhabener räumlicher Grösse, während man allerdings für eine selbstän- 
dige Ausbildung der architektonischen Einzelformen nur im geringsten 
Maasse sorgte und an der, oft sehr willkürlichen Verwendung von Ein- 
zelheiten antiker Prachtmonumente für die neuen Zwecke, selbst mehrfach 
wiederum der geraden Gebälke von solchen unter den lastenden Ober- 
Wänden des Mittelschiifes, kein Bedenken trug. In Ravenna, der für 
diese Epoche zweitwichtigsten Stadt Italiens, bekundete sich nicht derselbe 
grosse Sinn für die allgemeine räumliche WVirkung des Gebäudes, indem 
die Querhalle vermieden ward, daneben aber ein lebendigeres Gefühl für 
das Einzelne, welches man mit einer gewissen naiven Selbständigkeit 
nach dem antiken Muster behandelte, Dies namentlich bei der Formation 
des Säulenkapitäles und der Anordnung eines stärkeren Aufsatzes über 
demselben, zum angemessneren Unterlager für den Bogen. Im Orient, 
besonders in Constantinop el, scheint man von der römisch christlichen 
Entwickelung des Basilikenbaues am Wenigsten angenommen zu haben. 
Man behielt hier namentlich die Gallerieen über den Seitenschiifen bei, 
indem man es zweckmässig fand, diese den Weibern zum besondern 
Aufenthalte anzuweisen; man strebte vorzugsweise nach glänzender Ent- 
faltung des architektonischen Details, wobei man jene asiatischen Pracht- 
werke der spätantiken Zeit zum Muster nahm, welche zu solchem Be- 
hufe, aber in keiner Weise mehr zu einer innerlichen Belebung der 
Formen, eine Anleitung geben konnten. Eine Wechselwirkung des künst- 
lerischen Strebens zwischen Ravenna und Constantinopel scheint bereits 
zeitig eingetreten zu sein. 1 
1 In der Behandlung des Säulenkapitäles in der ravennatischen Architektur, 
namentlich der Anordnung jenes Aufsatzes über demselben, dürfte wohl ein
        

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