Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688423
Erste Periode. 
211 
diesen Mustern zu erbauen, sobald nur eine öffentliche Bethätigung des 
Gemeindelebens verstattet war. In dem Langraume- der Basilika und 
auf den Gallerieen sammelte sich das Volk, während in dem Halbrund 
des ursprünglich für richterliche Zwecke eingerichteten Tribunals, an der 
hinteren Schmalseite, die Priester sassen und vor diesen der Tisch des 
heiligen Mahles, der Altar, errichtet war, Diejenigen aber, welche noch 
der Aufnahme in die Gemeinschaft der Gläubigen harrten, in der Vor- 
halle des Gebäudes ihre Stelle fanden.   
Die christlichen Kirchen, die schon im dritten Jalnhundert in nicht 
unerheblicher iZahl erbaut waren und deren Zerstörung zur Zeit der dio- 
cletianischen Verfolgung nicht ohne Mühe vor sich ging, waren voraus- 
setzlich zumeist Basiliken der Art, von herkömmlich römischer Beschaffen- 
heit, grössere und kleinere, reichere und schlichtere, je nach den Um- 
ständen. Reste von solchen haben sich in der weiland afrikanischen 
Provinz des römischen Staates, wo das Christenthum frühzeitig blühte, 
im heutigen Algerien, vorgefunden. 1 So besonders die in mässigen 
Dimensionen, doch iiinfschiffig (vermuthlich mit viereckigen Pfeilern statt 
der Säulen) angelegte Basilika des Reparatus im alten Castellum 
Tingitanum, dem heutigen Orleansville, inschriftlich vom J. 252. Eigen- 
thümlich ist, dass das Halbrund des Tribunals (die Tribuna oder Absis) 
bei diesem Gebäude nach innen hineintrat, ohne sich im Aeusseren seiner 
Hinterseite bemerklich zu machen, und dass ihm gegenüber im J. 403 
eine ähnliche Tribuna, diese als Grabstätte des Bischofes Reparatus, hin- 
zugefügt war. Andere, wohl nicht sonderlich jüngere Basilikenreste jener 
Gegend sind die von Tefaced, ein gleichfalls finfschiffiger Bau, doch 
mit Säulen zu den Seiten des Mittelschiifes und mit Pfeilern zwischen den 
Seitenschiffen; und die einer kleinen Basilika zu Annuna.  Aehnlich 
frühster Zeit christlichen Kirchenbaues gehört, allem Anscheine nach, ein 
merkwürdiges Denkmal zu E1 Hayz, auf der kleinen Oase der lybi- 
sehen Wüste, 2 an; ein ebenfalls nicht grosser basilikenähnlicher Bau, die 
Seitenschiife unter den Gallerieen gewölbt, der Raum der Tribuna vier- 
eckig gebildet, Alles mit Nischen und Wandsäulen in einem römisch-ägyp- 
tischen Style geschmückt, ähnlich wie manch ein heidnisches Monument 
jener Gegenden aus der letzten Spätzeit des Alterthums.  
Unbehinderter, glänzender, in grösserer Ausdehnung konnte der christ- 
liche Kirchenbau sich entfalten, zu einer selbständigeren Behandlung des 
überkommenen Systems sich durchbilden, seit das Ohristenthum unter 
Constantin d. Gr. in die Reihe der Staatsreligionen eingetreten und in 
kurzer Frist die herrschende Religion geworden war. Schon Constantin 
liess dem ngien Glauben prächtig ausgestattete Kirchen errichten; seine 
Mutter Helena stand ihm in ähnlichem Streben zur Seite. Berichte jener 
Zeit enthalten die Angaben von derartigen Unternehmungen. Zu Tyrus 
baute der Bischof Paulinus in der Frühzeit des viertenJahrhunderts eine 
stattliche Basilika mit grossem Vorhofe; zu Jerusalem liess Constantin 
Wenig später, unter den baulichen Anlagen, welche das heilige Grab 
1 Revue arehäologique, 
Vßyage ä lßläroä, II, pl. 36. 
553; 
Cailliaud,
        

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