Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688338
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VII. 
Die Kunst der römischen Epoche. 
Rom scheint in dem halben Jahrhundert nach Caracalla, während 
die Herrschaft des Reiches zerfiel und die syrische Architektur blühte, 
wenig von namhaften Monumenten empfangen zu haben. ErstunterAu- 
relian (270-275) fand wiederum ein glanzvoller Tempelbau statt, der 
des Sonnentempels auf dem Quirinal. Ein Paar riesige Fragmente 
desselben (im Garten Colonna) zeigen die, mit sinkendem Geschmacke 
begleitete Neigung- zu üppiger Dekoration.  Ein Paar Grabmonumente 
ausserhalb der Stadt von tempelartiger Form, der sogenannte Tempel des 
Deus Rediculus und die jetzige Kirche S. Urbano, deren Behandlung 
das Vorwiegen des willkürlich Dekorativen bezeugt, gehören ebenfalls in 
diese Zeit. 
Im Anfange des vierten Jahrhunderts wurden zu Rom einige bau- 
liche Anlagen ausgeführt, in denen die alte Römergrösse, unbeirrt von 
den Wirrnissen des orientalischen Geschmackes, nochmals hervorzuleuch- 
ten scheint und die ebenso durch Pracht und zum Theil durch Kolossali- 
tat, wie durch die wirkungsvolle Anordnung neuer architektonischer Com- 
binationen von Bedeutung sind, wenn allerdings auch" die Kraft zu einer 
selbständigeren Durchbildung dieser Combinationen schon erloschen, das 
Gefühl für eine edlere Behandlung des Einzelnen ebenfalls bereits abge- 
stumpft erscheint. Es sind die mächtigen Thermen des Diocletian, 
deren Hauptraum in der Kirche S. Maria degli Angeli erhalten ist, und 
-die von Maxentius erbaute Basilika, deren Reste gewöhnlich als Frie- 
denstempel bezeichnet werden. Jener Thermensaal und der Mittelraum 
der Basilika hatten die gleiche Bedeckung eines kühn gesprengten Kreuz- 
gewölbes, welches von vertretenden kolossalen Wandsäulen (mit darüber 
befindlichem Gebälkstück) getragen wurde,  eine Disposition von erha- 
bener, in sich beschlossener Rhythmik, deren organisch belebte Ausge- 
staltung aber überhaupt mit den Mitteln der antiken Architektur nur in 
sehr bedingtem Maasse zu erreichen gewesen wäre. Mit dem Mittelraume 
der Basilika standen auf jeder Langseite niedrigere einfach überwölbte 
Nebenräume in Verbindung; sie trugen wesentlich dazu bei, seine Wir- 
kung zu steigern und dem räumlichen Inhalte des Gebäudes eine bedeu- 
tungsvolle Gliederung zu geben.  
Es folgen dann die Bauten der Zeit Constantims in Rom: jener 
Triumphbogen des Kaisers, bei dem das Verdienst einer würdigen 
"Gesammt-Oomposition unbedenklich dem trajanischen Bogen angehört, 
welcher hiezu vernutzt ward;  ein vierseitiger J anusbogen, mit N ischen- 
werk in syrischer Manier ausgestattet und in mangelhafter Rohheit aus- 
geführt;  und das Grabmal seiner Tochter Constantia, die heutige 
Kirche S. "Costanza. Das letztere Gebäude gehört wiederum zu den 
merkwürdigsten, zukunftvollen Neuerungen der architektonischen Cömbi- 
nation, während die Behandlung der Form an sich ein völlig erstarrtes 
und gestorbenes Gefühl bezeugt: ein erhöhter Rundbau, dessen Mauer- 
masse auf einem Kreise gekuppelter Säulen ruht, welche unter sich durch 
Gebälke und mit dem nächsten Paare durch Bögen über den Gebälken 
verbunden sind, von einer Kuppel überwölbt und von einemniedrigeren 
gleichfalls gewölbten Umgange umgeben. Es ist das völlig Unantike, das 
für die Bedingnisse des letzteren völlig Widersinnige; aber es ist eine
        

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