Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688289
Dritte 
Periode. 
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Klarheit der Gruppirung schon verloren oder durch äusserlich willkürliche 
Hülfsmittel ersetzt ist, auch die grösseren lokalen Andeutungen, Flüsse, 
Mauereinschlüsse n. dcrgl, im auffälligen Widerspruch gegen die plastische 
Anschauung, völlig landkartenmässig gegeben sind. Poetisch sinnreich, 
aber ebenfalls von einer gewissen Willkür in Bezug auf das Plastische, 
ist die Darstellung eines Jupiter Pluvius, der den Römern segensreich, 
den Barbaren verderblich wird. 
Die hellenische Kunstrichtung findet von der Zeit der Antonine ab 
in den Reliefs der Sar koph ag e, welche jetzt zur Bestattung in Gebrauch 
kommen, Gelegenheit zu neuer, in der folgenden Epoche noch ausgedehn- 
terer Bethätigung. 
Das M ünzgepräge leistet bis auf Hadrian noch manches Treifliche, 
in der schon früher festgestellten Richtung, beginnt von da ab jedoch zu 
sinken. An geschnittenen Steinen wird in dieser Epoche, ähnlich wie 
früher, ebenfalls noch viel Bemcrkenswerthes geliefert.  
Der "Malerei war unter Hadrian, bei seinem durchgreifenden Versuche 
zur Wiederbelebung der hellenischen Kunst, ein nochmaliges kurzes Auf- 
leuchten beschieden. Verschiedene Maler dieser Spätzeit werden genannt, 
mit höchstem Ruhme Aetion, dessen Alexander und Roxane, umgeben 
von Amorinen, welche mit den Waffen des Königs spielten, als ein Bild 
von lieblicher Anmut-h geschildert wird. Die Beschreibung desselben hat 
mehreren Künstlern der neueren Jahrhunderte Stoff zu reizenden Cömpo- 
sitionen geliefert. 
Dritte 
Peri 
Jlit Septiniius Severus (193-211) beginnt die Epoche der sol- 
datischen Kaiserherrschaft, in welcher das Römerthuln innerlich sich auf- 
lösend und nur durch äussere, oft zwar nicht minder zersplitterte Gewalt 
zusammengebunden erscheint. Rom hört auf, das Herz der WVelt zu sein; 
eignes Leben entwickelt sich in den Provinzen und strebt nach eigner 
Gestaltung. Die Kunst, sehwankend und unsicher schon am Schlusse der 
vorigen Periode, nimmt mancherlei frerndartiges Element in sich auf und 
verfällt einem mehr und mehr willkürlichen Betriebe. Das Streben nach 
einer prunkvoll dekorativen ÄVirkung macht sich in steigendem Maasse 
geltend; nur das Aeusserliche des Scheines wird erstrebt, während das 
Gefühl für lebendige Durchdringung der Form abstirbt. Das dritte Jahr- 
hundert, zu Anfang allerdings noch an die Richtung des vorigen Sieh 
nahe anschliessend, bezeichnet die in solcher Weise sich kund gebende 
üppige Entartung, der Beginn des vierten die nothwendig folgende rasche 
Verarmung des künstlerischen Vermögens;' Schwere und Erstarrung im 
Ganzen des Kunstwerkes, kiimmerliche Dürftigkeit in seinen Einzelheiten 
sind das letzte Ergebniss, obgleich allerdings nicht zu übersehen ist, dass.
        

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