Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688250
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VII. 
Die Kunst der 
Epoche. 
römischen 
vorlag, mit Sicherheit ausgesprochen. Das Ganze hat das Verdienst eines 
Geschichtswerkes, in welchem sich Ernst und Treue, einfach klarer Vor- 
trag, ein offener Blick für das rein Menschliche und würdige Haltung 
zur befriedigenden "Wirkung vereinigen.  Die Sculpturen des Triumph-- 
bogens von Benevent haben eine, im Allgemeinen ähnliche Behandlung. 
S0 auch die wenigen an dem Denkmal des Philopappus zu Athen. 
iefs der 
Von den Rel 
Trajanssäule. 
Die hellenistische Richtung Hadrianls fand in der Sculptur ein noch 
ergiebigeres Feld als in der Architektur. Hier hinderte Nichts, auf die 
Muster der griechischen Blüthezeit abermals zurückzugeben und Neues 
thimlichst in deren Sinne zu schaffen. Selbst die phidiassische Kunst der 
chryselephantinen NVerke ward abermals hervorgesucht. Hadrian schmückte 
den von ihm vollendeten Tempel des olympischen Zeus zu Athen mit 
einem aus Gold und Elfenbein kunstvoll gearbeiteten Kolossalbilde des 
Gottes; Herodes Attieus (sein Zeitgenoss, der Griechenland gleichfalls zu 
verherrlichen bemüht war,) den Poseidontempel des korinthischen Isthmus 
mit einer grossen chryselephantinen Gruppe des Poseidon, in der aber 
Missverstand oder Eigenwille das stoffliche Verhältniss schon der Art 
verkehrt hatte, dass z. B. die Rosse aus Gold und ihre Hufe aus Elfen- 
bein, die Körper der Tritonen aus Gold und ihre Fischschwänze aus 
Elfenbein gearbeitet waren.  Zahlreiche Marmorwerke, die auf unsre 
Zeit gekommen, bezeichnen die eifrige Thätigkeit der hadrianisohen Epoche 
und die Art und Weise, in welcher sie sich kundgab. Mit der feinen 
virtuosischen Erneuung der hellenischen Kunst, wie diese in der vorigen 
Epoche betrieben ward, hat sie wenig mehr gemein. Sie geht mit ent- 
schiednerer Absicht auf die Grösse des Styles, auf die Breite des Vor- 
trags, welche den grossen Zeiten der hellenischen Kunst eigen waren, 
zurück; aber sie hat nicht mehr die Fähigkeit, in das innere Leben jener 
Vorbilder einzudringen. Wir verdanken der hadrianischen Sculptur eine 
Fülle hellenischer Anschauungen, zum Theil von tiefster Bedeutung; aber 
es sind mehr oder weniger nur äusserliche, zumeist auch nicht manierlose 
Nachahmungen.  Der Mangel an selbständig künstlerischer Grundlage, 
gelehrte Liebhaberei, abergläubische Sorge führten gleichzeitig dazu, auch
        

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