Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688236
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VII. 
der römischen Epoche. 
Die Kunst 
mit Bildwerk zur Anwendung gekommen ist.  Manches in Klein-Asien, 
mit lokal cigenthümlichen Nachklängen der hellenischen Bildungsweisc 
und mehrfach, z. B. in der Friesformation, in freierer dekorativer Behand- 
lung; besonders ausgezeichnet die zum Theil ansehnlichen Reste korin- 
thischer Tempel zu Knidos und zu Labranda (Alabanda) in Karien, 
zu Ephesos u. s. w., sowie das nach hellenischer Art angelegte, glück- 
lich erhaltene und in einem verhältnissmässig edeln Style behandelte 
Theater zu Patara in Lycien.  Einiges in Afrika, wie die Reste eines 
Aeskulap-Tempels zu Lambaesa;  in Frankreich, wie der mächtige 
dreithorige Triumphbogen zu Orange. U. s. w. 
culptu 
In der Sculptur dieser Epoche setzt sich die Richtung der vorigen 
zunächst unmittelbar fort. Die hellenisch idealistische Richtung ist, wie 
es scheint, mit der vorigen Epoche nicht sofort abgerissen. Die Bildniss- 
darstellung Wlfdg wie mit gleichem Eifer, so zunächst auch in ähnlicher 
Grösse des fStyles betrieben; die Bildnissstatuen und Büsten der Familie 
der Flavier gehören wesentlich noch zu den gediegensten Arbeiten der 
Gattung. 
Einige Monumental-Sculpturen bezeichnen den weiteren Verfolg des 
Strebens. Dahin gehören die des Titusbogens, welche sich auf die 
Feier des Triumphes beziehen. Vorzüglich bedeutend sind zwei Relief- 
tafeln an den Innenseiten des Durchganges, welche den siegreichen Im- 
perator auf der, von der Göttin Roma geführten Quadriga nebst Gefolge 
und die Träger der aus dem Jehovatemlael von Jerusalem herüberge- 
führten Trophäen darstellen. Die Anordnung beider ist durch Fülle und 
Klarheit, die Ausführung durch frisches Leben und gehaltene Würde 
ausgezeichnet. 
Die Reste des von Nerva erbauten Forum Palladium haben Fries- 
Sculpturen mythischen Inhalts, Pallas Athene als Lehrerin weiblicher 
Künste und Andres darstellend. Hier ist eine künstlerische Richtung, 
die, in einer malerisch freieren Behandlung der Composition und in einem 
gewissen handwerklichen Vortrage, vielleicht als ein Beispiel derjenigen 
Weise gelten kann, in welcher das Römerthum überhaupt die von Hellas 
herübergenommenen Aufgaben bei der bildnerischen Ausstattung; seiner 
Tempel verwandte. 
Entscheidende Bedeutung gewinnen die Bildwerke der Monumente 
Traj ans. In ihnen prägt sich die römische Sculptur zur Selbständigkeit 
aus, entfaltet sich auf dem Grunde naiver Lebensanschauung eine histo- 
rische Kunst, deren Aufgabe zunächst allerdings nicht, _wie in der helle- 
nischen Kunst, das Gesetz der Schönheit in dem Wechsel seiner Offen- 
barungen ist, die zunächst wiederum nur ein Dokument für das einzelne 
Ereigniss und für Reihenfolgen von Ereignissen feststellen soll, die aber 
durch Ernst und Wahrheit, durch lebendigen Sinn für den Gehalt des 
Ereignisses und dessen dramatische Aussprache, durch entschlossene Be- 
schränkung auf das Nothwendige und die hieraus hervorgehende stylistische
        

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