Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688221
Zweite 
Periode. 
191 
mit Halbkuppelgewölben, und Tonnengewölbe über den Haupträumen,  
war römisch, die äussere Erscheinung, ohne Rücksicht auf das Innere, ein 
hellenischer Säulenbail. Den Tempel umgab ein ausgedehnter Säulenhof. 
 Ausserdem- erbaute Hadrian zu Rom ein neues kolossales Mausoleum, 
dem des Augustus ähnlich (die Reste in dem heutigen Kastell S. Angele); 
und zu Tivoli eine weitgedehnte Villa mit einer Menge griechisch be- 
nannter und ohne Zweifel auch in gräcisirendem Geschmacke ausgeführter 
Anlagen. 
Hadriaifs bauliche Sorge war in erheblichem Maasse zugleich den 
Provinzen zugewandt. Hievon ist Manches in besserem Zustande er- 
halten als die römischen Reste (oder, WO es neuerlich verschwunden, doch 
durch bildliche Aufnahme bekannt), und somit besser geeignet, von dem 
hellenistischen Geschmacke des Imperators und von der unter Umständen 
unvermeidlichen Zwitterhaftigkeit zwischen hellenischer und römischer 
Art eine Anschauung zu gewähren. Als ein vorzüglich reines und wohl 
erhaltenes Denkmal ist die sogenannte „lllaison quarree" zu Nimes in 
Frankreich anzuführen, ein korinthischer Tempel von it-alischer Anlage 
und reicher Durchbiltlung; während die Reste der (lortigen Basilika der 
Plotina (des sogenannten Tempels der Dxiana) die mächtige Anordnung 
eines römischen Tonnengewölbes in noch ansprechender Verbindung mit 
hellenistisch dekorativen Einzeltheilen zeigen.  Sehr bedeutende bauliche 
Unternehmungen fanden zu Athen statt. Zu diesen gehört ein noch 
stehender Bogen des Hadrian, in welchem sich die römische Grund- 
form schon 'willkürlicher mit einem luftigen Tabernakelbau nach helleni- 
scher Art verbindet. Einer (nicht mehr vorhandenen) Säulenstellung hel- 
lenischen Styles, zu einer Wasserleitung ausserhalb Athens gehörig, war 
die Bogenform in völlig willkürlicher Weise aufgesetzt.  In Aegypten 
baute Hadrian zum Gedächtniss seines Lieblinges Antinous die Stadt An- 
tinoö. Die Trümmer zeigen die Nachbildung späthellenischer Form. 
Ein (neuerlich zerstörter) Triumphbogen liess eine sehr missrathene Ver- 
bindung römischer und hcllenischei- Form erkennen.  Ein hadrianisches- 
Bogenthor zu Nicäa enthält ebenfalls den Versuch, Römisches in hel- 
lenistischer Art umzumodelu.  
Von den Bauten der Antonine zu Rom ist wiederum nur Weniges, 
doch Bezeichnendcs erhalten. Dem Antoninus Pius (138-161) gehört 
der Vorbau eines Tempels des Antoninus und der Faustina, eines 
korinthischen Prostylos von italiseher Anlage, der immer noch als ein 
gutes Nachbild der überlieferten Form erscheint, an;  dem Marc Aurel 
(161-180) die in der Facade der heutigen Dogana erbaute Säulenreihe 
eines korinthisehen Tempels, deren Fries, den Uebergang des Ueberliefer- 
ten in völlig dekorative Freiheit bezeichnend, schon eine bauchige Form 
hat,  und die Säule des Marc Aurel, ein Nachbild der Trajans- 
säule und ursprünglich ohne Zweifel, gleich dieser, auf eine anderweitige 
architektonische Umgebung berechnet. 
Andres Charakteristische aus dieser Zeit findet sich in den Provinzen. 
So zu Thessalonica (Salonichi) in Macedonien die sogenannte In- 
cantada, der Rest eines Gebäudes von merkwürdiger Anlage, indem 
über einer korinthischen Säulenstellung eine obere Ordnung von Pfeilern
        

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