Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688184
Erste Periode. 
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und Gruppen sind als Arbeiten hohen Reizes zu nennen: einige Scenen 
des Privatlebens, vorzüglich schön  eine Gruppevon Mutter und Toch- 
ter; Gruppen und einzelne Gestalten von Tänzerinnen, in halb durchsich- 
tigen Schleiergewanden; Gruppen männlicher und weiblicher Kentauren; 
Weiber auf chimärischen Thieren, Bacchantinnen und Aehnliches,  Ge- 
mälde, in denen sich die spätere Richtung der hellenischen Kunst ziemlich 
deutlich ausspricht. 
Auf den Nebenfeldern, namentlich dem Sockel der Wände, sind andre 
Bilder enthalten. Diese pflegen noch ungleich flüchtiger ausgeführt zu 
sein als die Hauptbilder; doch sind sie als Beispiele für die untergeord- 
neten Richtungen antiker Malerei ebenfalls nicht ohne ein namhaftes 
Interesse. Es sind theils zierliche Kinderscherze, Amorinen und Genien, 
die den Verkehr des Lebens in anmuthigem Spiele nachahmen; theils 
komisch parodische Scenen, Zwerge darstellend, welche mit Humor 
die Geschäfte des gewöhnlichen Lebens betreiben;  so erscheint nament- 
lich die Darstellung eines Maler-Ateliers als ein sehr ergötzlichcs Bild. 
Theils sind es wirkliche Gen remalereien, diese indess höchst unbedeu- 
tend und arg geschmiert, dass sich kaum etwas Besondres über sie sagen 
lässt. Theils Landschaften mit vorherrschenderDarstellung von Archi- 
tekturen, auch sie zumeist sehr flüchtig gemalt. Doch finden sich dar- 
unter einzelne Bilder, welche, bei einer etwas sorglicheren Aüsführung, 
die eigentlich landschaftliche Natur zu ihrem Gegenstande haben und 
diese, in der Zeichnung wie in der Farbe, in einer streng historischen 
Weise (den Landschaften des Nicolas Poussin unter den Modernen ver- 
gleichbar) auffassen. Theils sogenannte Stillleben, Thiere, Früchte, 
Geräthschaften u. dgl. vorstellend, die frei und keck, aber mit grosser 
Naturwahrheit gemalt zu sein pflegen und zuweilen ein auf ansprechende 
Weise abgeschlossenes Ganzes bilden. 
Endlich die Darstellungen phantastischer Architekturen, schlanke, 
rohrähnliche Säulen, die sich luftig emporbauen und durch leichte Gebälke 
verbunden und mannigfaltig geschmückt erscheinen. Diese bilden eine 
anmuthige Einrahmung der Wandflächen, auf denen die Hauptbilder ent- 
halten sind, und gestalten sich häufig zur selbständigen Dekoration, 
deren leichtes perspektivisches Formenspiel den zumeist engen Raum 
desZimmers auszuweiten wohl geeignet ist. Eine lebhafte und reiche, 
wenn auch spielende und nicht ganz selten zum Barocken geneigte 
Phantasie giebt diesen zierlichen Gebilden zumeist wiederum einen eig- 
nen Reiz. 
Eigenthümlichen Charakter, völlig abweichend von der Richtung der 
übrigen Gemälde, hat das grosse Mosaikbild der sogenanntemAlexan- 
dersehlacht, welches den Fussboden eines Zimmers im Hause des Fßlllls 
zu Pompeji schmückt. Der zum Theil beschädigte und unvollkommen 
restaurirte Zustand, in welchem dasselbe aufgefunden wurde, deutet auf 
eine vor der Katastrophe des Jahres 79, ohne Zweifel bei dem Erdbeben des 
Jahres 63 stattgefundene Verletzung. Die Darstellung ist die eines sieg- 
reichen Kampfes zwischen Römern und Asiaten; das Kostüm bezeichnet 
eine entschieden späte Zeit, der des Unterganges von Pompeji schon nahe
        

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