Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688167
Die hellenische Malerei scheint sich gleichzeitig mit der Sculptur 
nach Rom übersiedelt und in ähnlicher Weise wie diese einen neuen Auf- 
schwung genommen zu haben. Aus der früheren Zeit des ersten Jahr- 
hunderts v. Chr. werden uns die Namen einiger Künstler genannt, die 
sich bedeutenden Ruhmes erfreuten. Als der ausgezeichnetste der Maler 
Timomachos von Byzanz, der den Ausdruck einer im Innern zurück- 
gehaltenen Leidenschaft auf ergreifende Weise darzustellen wusste; so in 
seiner Medea, welche den Kindermord zu vollführen im Begriff stand, 
noch aber zwischen dem Grimm der Rache und dem Mitleiden schwankte 
(nachgebildet in einem herkulanischen Wandgemälde, das allerdings von 
dem -Werthe des Meisters den höchsten Begriff zu geben geeignet ist)  
so in dem Bilde des Ajax, der tiefgekränkt, über seinem Zorne brütend, 
dargestellt war; so vermuthlich auch in den Bildern des Orestes, der 
Iphigenia in Tauris u. a. Neben Timomachos blühte die Malerin Lala 
aus Kyzikos, deren Bildnisse sehr gesucht waren. 
In der Kaiserzeit aber wird geklagt, dass die Kunst der Malerei 
wiederum von ihrer Höhe herabgesunken sei; die Staifelmalerei scheint 
sich keiner sonderlichen Theilnahme mehr erfreut zu haben; die Wand- 
malerei war zu einer Dienerin des Luxus geworden. Jetzt ward ein bun- 
tes Spiel arabeskenartig dargestellter Architekturen beliebt; neben diesen 
sah man gern mannigfaltige Prospekte, landschaftliche Ansichten, Garten- 
scenen, Kanäle, Hafenstädte u. dergl., die mit launiger Staifage belebt 
wurden. In den Darstellungen solcher Art war unter Augustus der Maler 
L u d i u s besonders ausgezeichnet. 
Für die früheren Epochen der Malerei fehlte es fast vollständig an 
erhaltenen Beispielen. Aus der gegenwärtigen Epoche ist deren eine 
überaus grosse Fülle, namentlich in den Wandgemälden von Herkula- 
num und Pompeji erhalten. Es sind leichte, oft flüchtige Dekorations- 
malereien, mehr oder weniger ohne den Anspruch auf originale Meister- 
schaft. Aber sie zeigen eine so geistreiche Auffassung, eine so gesunde 
Praktik, einen so lebendigen Nachhall des hellenischen Geistes, dass die 
Anknüpfung an die hellenische Kunstrichtung hier wiederum in besonders 
auffälliger Weise sichtbar wird. Die Uebergangsstellung zwischen helle- 
nischem und römischem Wesen, auf "die bei der Architektur Pompejfs 
bereits näher hingedeutet wurde, scheint für das Verhältniss wesentlich 
mit in Betracht zu kommen. Die Wandgemälde von. Herkulanum und 
Pompeji gewähren somit zugleich mannigfach schätzbare Rückblicke auf  
die Blütheepochen der hellenischen Malerei. Viele von ihnen, und ohne 
Zweifel die wichtigeren, sind geradehin als Nachbildungen älterer Meister- 
werke zu betrachten, indem die zumeist sehr bedeutsame Composition 
und die Auffassung oft einen sehr bemerklichen Gegensatz Ägege? die 
Ausführung bilden, manche Darstellungen auch (z. B. die des Perßells 
und der Andromeda) sich mehrfach in derselben Weise und nur mit ver- 
hältnissmässig geringen Abweichungen wiederholen. So erscheint Einzelnes 
in der That als Reminiscenz jener vorzüglich hohen Entfaltung der Ma- 
lerei im vierten Jahrhundert, während Andres entschieden das Gepräge
        

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