Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688125
Erste Periode, 
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fein berechneter Wirkung, aber diese berechnende Kunst bereits in einer 
bühnenmässigen Weise zur Schau tragend. (Und zwar der Art, dass alle 
Wirkung der Statue auf einen bestimmten Standpunkt des Beschauers 
berechnet ist und von andern Standpunkten aus der wundersame Rhyth- 
mus der Linien, selbst das Gesetz des organischen Gefüges, wesentlich 
beeinträchtigt erscheint.)  Die Gruppe des Laokoon im Vatikan, ein 
gemeinschaftliches Werk dreier rhodischer Künstler, des Agesandros, 
Polydoros und Athenodoros; Laokoon und seine beiden Söhne von 
riesigen Schlangen urnwunden, ein Werk des gewaltigsten, durch seine 
Abstufung und seine Wechselbezüge um so erschütternder wirkenden Pa- 
thos, in jeder Beziehung mit vollendeter Meisterschaft durchgearbeitet, 
aber in einer Weise der Composition, der Behandlung, des Ausdruckes, 
dass auch hier, bei den mächtigsten künstlerischen Mitteln, das Berech- 
nete einer wiederum mehr bühnenmässigen Wirkung vorwiegt. 1  Noch 
zahlreiche andre Werke von mehr oder weniger durchgeführter Vollen- 
dung reihen sich den genannten an. Zum Theil sind sie als mehr oder 
weniger freie Nachbildung bestimmter Werke der früheren hellenischen 
Kunst aufzufassem- Eine meisterliche Technik, verbunden mit einer Weise 
der Behandlung, die bei aller Feinheit mehr aus der abgezogenen Regel 
als aus der unmittelbaren Anschauung oder der lebendigen Ueberlieferung 
der Schule entstanden ist, bildet überall den Grundzug der in Rede 
stehenden Richtung. 
Auch die Namen noch andrer griechischer Künstler dieser Zeit, für 
deren Werke es uns indess an bestimmter Anschauung fehlt, werden mit 
Ruhm genannt. Unter den in Rom beschäftigten Meistern, die sich durch 
eigenthümliches Wesen besonders ausgezeichnet zu haben scheinen, sind 
hervorzuheben: Pasiteles, zur Zeit des Pompejus, ein Künstler von 
streng sorgfältigem Charakter, der u. A. auch die alte Kunst der chrys- 
elephantinen Götterbilder erneute;  Diogenes, zurZeit des Augustus, 
der das Pantheon mit Sculpturen schmückte (und dem man eine Karya- 
tide im Vatikan, als ein zur ursprünglichen Ausstattung des Pantheons 
gehöriges Werk, zuschreiben zu dürfen glaubt);  Zenodoros, zur Zeit 
des Nero, der sich in Kolossalstatuen auszeichnete und einen Erzkoloss 
des Nero von 110 Fuss Höhe, das grösste Kolossalbild des Alterthums, 
das nachmals als Helios geweiht ward, fertigte. 
Der hellenischen Richtung der Sculptur steht, wie bemerkt, die1 
eigentlich römische gegenüber, welche den realen Erscheinungen des 
Lebens zugewandt ist. Sie bethätigt sich in dieser Epoche yorzugsweise 
1 Nach wörtlicher Auffassung der Stelle des Plinius (H. N. XXXVI, 4, 1]) 
über den Laokoon würde derselbe spät und erst für Titus gearbeitet sein. Ein 
unabweislieher Widerspruch würde hierin nicht liegen. Da die Stelle aber auch 
eine freiere Auslegung gestattet, so kann für die Gruppe füglich auch eine frühere 
Zeit angenommen werden. (Man hat daher auch keinen Anstand genommen, sie 
als ein Werk des dritten Jahrhunderts zu bezeichnen, eine Ansicht, die mir nicht 
die richtige zu sein scheint.) 
        

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