Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688043
Allgemeiner Charakter. 
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Geschoss, wobei in natlugemässerEntivickelung unterwärts stärkere, ober- 
wärts leichtere Ordnungen angewandt wurden. Das ursprüngliche Ver- 
hältniss des Säulensystems ging hiebei, indem die Zwischenweiten sich 
übermässig ausdehnten, allerdings mehr oder weniger verloren; aber bei 
der Yerwendung an der architektonischen Masse, bei der Rückwirkung 
der letzteren auf jene dekorativen Theile konnte und sollte eine selbstän- 
dige, zumal organische Wirkung der letzteren überhaupt nicht erstrebt 
werden. 
Die Wölbung des Bogens führte zur Ueberwvölbung umschlossener 
Innenräume und somit wiederum zu eigenthümlichen Ausprägungen der 
Innenarchitektur. Der oblonge Raum ward mit einem Tonnengewölbe, 
der kreisrunde (oder polygonische) mit einer Kuppel überspannt; halb- 
runde Nischen, welche sich gegen andre Räume öffneten (wie in den 
Basiliken), empiingen ein halbes Kuppelgewölbe. In den letzten Zei- 
ten der römischen Architektur, wie es scheint, entwickelte sich die 
complicirte Form des Kreuzgetvölbes. Die ästhetische Unselbständigkeit 
der antiken Bogenbildung zeigt sich auch an der Gewölbdekoration, der 
alle eigentlich architektonische Gliederung fehlt, die aber den Schein einer 
solchen gleichwohl durch Herübernahme der Kassetten der hellenisehen 
Architravdecke zu gewinnen weiss. Die vorzüglichste Anwendung über- 
wölbter Räume ergab sich bei den Bädern, deren mannigfach abgestufter 
Gebrauch zu den Lebensbedürfnissen der Römer gehörte; besonders bei 
jenen kolossalsten Anlagen der sogenannten Thermen, welche mit den 
Bädern Alles verbanden, was dem Genusse eines behaglichen Nichtsthuns 
entgegen kommen konnte, und durch deren Anlage die Machthaber, ins- 
besondere die der späteren Zeit, die Gunst der Menge gefangen zu neh- 
men wussten. 
Es ist schlicsslieh noch der römischen Grabmonumente zu gedenken, 
die, wie in der Vorzeit Italiens, wiederum eine sehr erhebliche monu- 
mentale Bedeutung gewinnen. Sie sind von verschiedenartiger Beschaf- 
fenheit, zum Theil in der Form kleiner Tempclhciligthümcr gebildet, 
zum Theil in einer WVeise gestaltet, welche die uralte Tumnlusform zum 
festen Thurmbau oder zum riesenmässig emporgeführten Terrassenbau 
umwandelt. 
Die römische Architektur hat nicht das einfach bestimmte Gesetz, 
nicht den klaren Organismus der hellenisehen; aber sie bringt Wirkun- 
gen hervor, deren Elemente dennoch sehr entschieden auf einem künst- 
lerischen Bewusstsein beruhen und nicht selten  soweit wir aus vor- 
handenen Trümmern auf das Ganze architektonischer Erscheinungen zu- 
rücksehliessen können  auch eine feine künstlerische Berechnung er- 
kennen lassen. Die römische Architektur ist vorwiegend, oder doch zum 
grossen Theil, Massenbau; dem entsprechend ist ihre Detailbildung, 
namentlich die des Gesimses, durchgehend derber, voller, gewichtiger als 
die hcllenische (wenn auch ohne die Feinheit der Profilbildung, Welche 
die letztere auszeichnet), ist sie reichlicher mit dekorativen Einzelheiten 
versehen. Der dekorativen Verwendung des Säulenbaues beim Bogenbau 
ist bereits gedacht; zu entsprechenden dekorativen Zwecken wirddas ko- 
rinthische mit dem ionischen Kapital (in der Form des sogenannten römischen
        

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