Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1688032
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VII. 
Die Kunst der 
römischen 
Epoche. 
der Vorhalle fortsetzt und eine scheinbare _Nachbildung des hellenischen 
Peripteraltempels ergiebt. 
Anderweit findet der Säulenbau eine reichliche Verwendung für die 
architektonische Ausgestaltung grosser Innenräume. Hieher gehören be- 
sonders die Basiliken, Gerichts- und Börsenlokale, welche zum vorzüg- 
lichsten Typus römischen Lebens gerechnet werden müssen. Es sind 
Langräuine, welche sich durch Säulenstellungen und Gallerieen über die- 
sen in mehrere Schiffe sondern. Das Allgemeine der F ormenbehandlung 
ist hier wiederum hellenisch; aber die der hinteren Schmalseite des Ge- 
bäudes sich anfügende grosse Halbrund-Nische, das richterliche Tribunal, 
giebt (lennoch der Gesammterscheinung ein wesentlich abweichendes 
Gepräge.  
Noch ungleich auffälligere Eigenthümlichkeiten gingen aus der An- 
wendung des Bogenbaues, dessen Technik und Form der altitalischen 
Tradition angehört, hervor. Er kam den praktischen Bedürfnissen der 
Römer und der grossartigen Weise, mit welcher sie diese zu erfüllen 
liebten, ebenso diensam entgegen, wie der mächtige Schwung seiner Form 
ihn zur wirkungsreichen monumentalen Verwendung geeignet machte. Er 
gab die Veranlassung; zu Brückenbauten, welche zum Theil mit Riesen- 
kühnheit ausgeführt wurden, zu Wasserleitungen, welche den Quell des 
Gebirges oft meilenweit hoch über der Ebene in das Herz der Stadt 
führten. Er liess Thore entstehen, welche in fester Erhabenheit die Zu- 
gänge zu den Sitzen der Völker bezeichneten, welche durch Inschrift und 
Bildwerk, allem Volke sichtbar, zu Denkmälern grosser Männer und Tha- 
ten geweiht werden konnten. Er gab Gelegenheit, auch selbständige 
Denkmäler dieser Art an bedeutungsvollen Stellen, besonders zum Ge- 
dächtniss der Triumphzüge beglückter Sieger, zu errichten. Er verstattete 
es, bauliche Massen in festem Verband und überall zugänglich, Arkaden 
neben Arkaden und über Arkaden, je nach dem Bedürfniss emporzu- 
gipfeln, durch solche Structur für den Schauraum des Theaters, für den 
des rings umschlossenen Amphitheaters, in welchem dem römischen Volke 
die blutige Lust der Thier- und Menschenkämpfe vorgeführt ward, für 
den der Circus-Rennbahn, feste Unterbauten zu gewinnen.  Doch hatte 
die Bogenform keine selbständig künstlerische Ausbildung; es war die 
ungegliedert starre Masse des Bogens, getragen von der ebenso starren 
Mauer- oder Pfeilermasse. Was ihr fehlte, ward durch Hinzufügung einer 
Dekoration ersetzt, zu welcher das System der hellenischen Architektur 
seine Formen hergeben musste. Die Aussenfläche des Bogens ward, aller- 
dings fast seltsam, in der Weise eines krummen Architravs gebildet, der 
Pfeiler, der ihn trug, mit einem deckenden Gesimse versehen. Dann liess 
man Halbsäulen zu den Seiten des Bogens und oberwärts ein entsprechen- 
des, Gebälk vertreten, wodurch eine so feste wie. rhythmische Umfassung 
des Ganzen erreicht ward. Bei den-grossen Prachtthoren, namentlich 
den Triumphbogen, wurden auch wohl frei vertretende Säulen, zum Theil 
gekuppelte, angeordnet, wurde durch solche Combination, zumal bei sonst 
reichlich angewandtem Schmuck, der Eindruck stolzester Pracht erreicht. 
Bei den Arkadenbauten der Theater, Amphitheater u. s. w. lief die gleich- 
artige Ilalbsäulenorclnung hindurch und wiederholte sich von Geschoss zu
        

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