Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687999
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Die 
hellenische Kunst. 
Werken sind hervorzuheben: die lebensgrosse Kriegerügur von Todi, von 
Einigen als Mars bezeichnet, im etruskischen Museum des Vatikans;  
die Statue des sogenannten Arringatorc, ein Portraitbild eines Redners mit 
der N amensinschrift Aule Meteli, tüchtig gearbeitet, aber ohne sonderlichen 
Geist, im Museum von Florenz;  die anziehend naive Figur eines 
stehenden Knaben, der eine Gans im Arme trägt, im Museum von Leyden; 
 und eine weibliche Gewandstatue, von Einigen als Minerva Ergane 
benannt, in der Glyptothek von München, ein Werk von vorzüglich edlem 
Style und glücklich geordneter Gewandung, das nur in den feineren Theilen 
des Gefältes die Reminiscenz etruskischer Befangenheit bewahrt. 
 Dann sind die gravirten Zeichnungen zu nennen, mit welchen 
die Rückseiten eherner Rundspiege] (nur ausnahmsweise finden sich hie: 
flache Reliefbilder statt der Zeichnungen) und die ehernen Kästchen der 
etruskischen Kunst (sogenannte mystische Oisten) geschmückt zu sein 
pflegen. Das künstlerische Verdienst dieser Zeichnungen ist verschieden; 
zuweilen sind sie iiüchtig und ziemlich styllos behandelt; nicht selten aber 
wissen sie sich die Weise der hellenischen Kunst in dem Stadium ihrer 
jüngeren Vollendung mit Glück anzueigncn, wobei eine gewisse Schüch- 
ternheit in Bewegung und Fassung der Gestalten ihnen wohl einen be-_ 
sondern Reiz giebt. Die Gegenstände gehören zumeist der griechischen 
Mythe an; im Einzelnen gesellen sich Gestalten der etruskischen Mythe 
hinzu; an etruskisch beigeschriebenen Namen fehlt es auch hier nicht. 
Die Oomposition, namentlich die der Bilder auf den Spiegeln, bildet eine 
in sich abgeschlossene Gruppe, welche sich der vorgeschriebenen Rund- 
form in der Regel ungezwungen fügt. Die Anordnung der Gruppen pflegt 
nach völlig malerischen Gesetzen zu erfolgen, nicht in der mehr plasti- 
schen Sonderung der Figuren, welche für die Linearzeichnung (wie vor- 
herrschend bei den griechischen Vasenmalereien) als die zunächst gebotene 
erscheint,  ein Umstand, welcher ein vorwiegend lebhaftes malerisches 
Gefühl bezeugt.  
Von den Wandmalereien etruskischer Gräber, dergleichen sich 
vornehmlich in den Nekropolen von Tarquinii und von Ohiusi vorge- 
funden, ist bereits früher (S. 89) die Rede gewesen und dabei auf die 
Unterschiede zwischen solchen, die mehr dem schlicht hellenischen Typus 
folgen und solchen, bei Welchen das einheimische Kunstgefühl sich in 
einer mehr barock phantastischen Weise der Darstellung äussert, hinge- 
deutet werden. Die Oomposition dieser Malereien, denen der besseren 
gravirten Zeichnungen selten gleichkommend, pflegt in einer äusserst 
schlichten friesartigen Weise gehalten zu sein, die Zeichnung ein gewisses 
conventionelles Gesetz nicht zu iiberschreiten; auch die Ausführung ist 
insgemein sehr einfach: lichte bunte Farben, die rein und unvermischt, 
mehr mit Rücksicht auf eine allgemeine Harmonie der Töne, als mit dem 
Streben nach Naturwahrheit, aufgetragen sind. Die Malereien einiger 
Grotten tragen, bei einer Zeichnung völlig entwickelten Styles, das schon 
oberflächlich handwerkliche Gepräge, Welches sie als Arbeiten später Zeit, 
der der römischen Kaiserherrschaft, charakterisirt. Doch gewähren gerade 
diese durch den, auf das Leben nach dem Tode bezüglichen Inhalt der 
Darstellungen ein eigenthümliches Interesse.
        

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