Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687986
Anhang. 
Die spätetruskische Kunst. 
167 
tiver Verwendung verbinden, aufs Neue zu nennen. Dorisehe Triglyphen- 
friese unter ionischen Zahnschnittgesimsen sind dabei besonders bemerkens- 
werth. Dieselben Details, in etwas strengerer Behandlung, erscheinen an 
dem architektonisch"dekorirtenSarkophage des L. Cornelius Scipioe 
Barbatus, im Vatikan, einer Arbeit aus der früheren Zeit des dritten 
Jahrhunderts. Es ist eine Stylmischung, derjenigen verwandt, welche an 
den späthellenischen Monumenten Siciliens beobachtet wurde.  Aus 
jüngerer Zeit, vermuthlich erst aus der des Augustus, rühren zwei Bogen- 
thore zuPerugia her: der Areo di Augusto und die Porta Marzia 
(von welcher letzteren aber nur der Bogen selbst mit seiner dekorativen 
Umfassung, in die Mauer der Citadelle von Perugia eingesetzt, erhalten 
ist). Beide sind oberwärts mit einer Dekoration von Pilasterwerk ver- 
sehen, in einem gräcisirenden Geschmacke und zugleich in jener Selt- 
samkeit der Anordnung, welche dem Wesen etruskiseher Dekoration 
überall eigen zu sein pflegt. Bei der Porta Marzia bringt dies, in Ver- 
bindung mit Reliefbildern, ein fast malerisches Formenspiel hervor. Bei 
dem Arco di Augusto ist ein dorisirender Fries, mit kurzen ionischen 
Pilastern statt der Triglyphen, von auffälliger Wirkung. 
Bildn 
Unter den Werken bildender Kunst sind es vornehmlich die geschnit-i 
tenenSteine, die schon eine frühe Aneignung hellenischer Weise be- 
kunden. Sie enthalten insgemein Darstellungen der hellenischen Mythe, 
mit etruskischer Umwandlung der beigefügten Namen, theils in streng 
archaiischem Style, wie namentlich in der berühmten Gemme der fünf 
Helden vor Theben, im Berliner Museum, theils der völlig entwickelten 
Kunst sich mehr und mehr annähernd, doch von der rein hellenischen 
Gefühlsweise durch etwas Gewaltsames in der Fassung der Gestalten fast 
durchgängig unterschieden. 
Der Erzguss fand, wie bereits früher bemerkt, bei den Etruskern 
die reichlichste Pflege. Eherne Standbilder erfüllten die etruskischen 
Städte; das einzige Volsinii zählte deren an zweitausend, als es, im 
J. 265 v. Chr. G., von den Römern erobert ward. Ein Paar eherne 
Thierfiguren, eine "Wölfin im Oapitolinischen Museum zu Rom und eine 
Chimära im Museum von Florenz, haben noch eine alterthiimliche Strenge 
in der Behandlung, bei der Wölfin in einer steifen und rohen Weise, bei 
der Chimära mit kräftiger Lebensäusserung verbunden. Die ehernen Sta- 
tuen menschlicher Bildung; die auf unsre Zeit gekommen, charakterisiren 
sich bestimmt als Zeitgenossen der später hellenischen Kunst. An ihnen 
ist häufig ein sorgfältiges Eingehen auf den natürlichen Organismus, im 
Einzelnen nach dem Sinne der Hellenen, do ch nur höchst selten die Ent- 
faltlmg zu einem freieren, das Ganze harmonisch durchdringenden Leben 
wahrzunehmen; es ist meist etwas Befangenes, Aengstliches in ihrer Ge- 
sammtcrscheinung. In solcher Art piiegen zumal die kleineren Bronze- 
statuetten, die in Etrurien vielfach vorkommen und an denen besonders 
der Boden von Perugia ergiebig ist, gearbeitet zu sein. Von grösseren
        

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