Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687929
Vierte Periode. 
161 
der übrigen sicilischen Architekturen dieser Zeit. Sodann ein gleich aus- 
gedehnter Altar zuPari0n an der Propontis, von Hermokreon gehautß 
Insbesondere scheinen auch gewisse, zu Delos vorgefundene Fragmente, 
die als Ueberreste des berühmten sogenannten „hörnernen Altaresu be- 
trachtet werden, hieher zu gehören: dorische Halbsäulen, mit Pfeilern 
und knieenden Stieren über diesen verbunden, und G-ebälke mit Stier- 
köpfen auf den Triglyphen. Es ist in diesen letzteren Compositionen 
Etwas von persischem Einfluss, der nach der Eröffnung des Orients seit 
Alexander d. Gr. nicht allzu befremdlich sein dürfte.  
Endlich sind uns Berichte über verschiedene königliche Werke er- 
halten, in denen die Kunst, theils für vorübergehende Zwecke, theils für 
Unternehmungen des praktischen Bedürfnisses, allen Luxus ihrer Stoffe 
und Formen ausgegossen hatte. Ein derartiges Werk war, schon unter 
Alexander d. Gr., der kolossale Prachtbau des Scheiterhaufens des He- 
phästion zu Babylon. Ein ähnliches der Goldwagen, in welchem die Leiche 
Alexanders nach Aegypten geführt ward. Dann Prachtgezelte und Riesen- 
schiffe, mit Allem ausgestattet, was eine verschwenderische Phantasie nur 
zu ersinnen vermochte, Werke sicilischer und ägyptischer Herrscher des 
dritten Jahrhunderts. Der Kunst war vielleicht nie wieder die Gelegenheit 
geboten, mit so freiem Beherrschen ihrer glänzendsten Mittel eine so 
willige Schmiegsamkeit unter alle Gebote grossartiger Laune an den Tag 
zu legen; aber die staunenden Berichterstatter müssen selbst schon be- 
merken, dass die Ausführung nicht überall dem Aufwande gleichge- 
kommen sei. 
CH 
Für die Sculptur dieser Epoche kommt vornehmlich die Einwirkung 
des Lysippos, dessen Schule beträchtlich in das dritte Jahrhundert hin- 
einragt, in Betracht. Die vorzüglichsto bildnerische Thätigkeit gehört den 
asiatischen Landen und Inseln an. 
Zunächst ist die Schule von Rhodos zu erwähnen, an deren Spitze 
Chares, ein Schüler des Lysippos, steht. Er fertigte für Rhodos ein 
ehernes Kolossalbild des Sonnengottes, 70 Ellen oder 105 römische Fuss 
hoch, welches 56 (oder 66) Jahre nach seiner Vollendung durch ein Erd- 
beben umgeworfen ward. Zu ihm gesellten sich im Lauf der Jahre noch 
hundert andre Kolossalstatuen, geringer als jene, aber jede für sich er- 
staunlich. Eine so vielfach wiederholte Thätigkeit in Arbeiten grössten 
Maassstabes scheint für die Richtung der Schule, für die Zeit überhaupt, 
bezeichnend. 
Ein erhaltenes (doch vielfach restaurirtes) Werk rhodischer Schule 
dieser Zeit  wenigstens wurde es im Alterthnm aus Rhodos nach Rom 
versetzt  ist die Gruppe des sogenannten farnesischen StierS im 
Museum von Neapel, eine Arbeit des Apollonios und Taurikos aus 
Tralles. ES stellt Amphion und Zethos dar, von denen Dirke, welche 
1 Brunn, Geschichte der griech. Künstler, 
Kugler, Handbuch der Kunstgeschichte. I. 
523.
        

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