Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687908
Vierte Periode. 
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gezeichnet war der in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts unter- 
nommene Neubau des dortigen Tempels des olympischen Zeus (auf der- 
alten Grundlage); die Säulen des neuen Tempels waren korinthisch; der 
Baumeister ein Römer, Cossutius. Erhalten ist von all diesen Werken 
nichts.  Nur aus dem Sehlusse der Epoche, aus der Zeit um die Mitte 
des zweiten Jahrhunderts, besitzt Athen ein kleines Monument, den von 
Andronikos Kyrrhestes gebauten Windethurm, ein achteekiges 
Gebäude, das im Innern eine Wasseruhr, im Aeusseren Sonnenuhren und 
einen künstlerisch ausgestatteten Windzeiger enthielt. Die architektoni- 
sehen Einzelformen haben hier eine" gewisse trockne Derbheit; überein- 
stimmend hiemit, doch eigenthümlich geschmackvoll sind die korinthischen 
Säulenkapitäle der beiden kleinen Portiken des Gebäudes (sie wurden 
wenigstens in der Nähe gefunden), mit einem Kranze von Akanthusblät- 
tern und darüber mit einem leichten Sehilfblattkelche versehen. Neben 
dem Windethurm und zu ihm gehörig die Reste einer Wasserleitung: 
Pfeiler und architravähnlich gegliederte Bögen, in der ganzen Anordnung 
noch die volle Fähigkeit der griechischen Kunst in dekorativer Bewälti- 
gung auch einer entschieden fremdartigen (italisehen) Form bezcugend; 
(Die Bögen übrigens nicht gewölbt, sondern je aus einem Steine-ge- 
schnitten.)  
Einige architektonische Reste zu Messene tragen ebenfalls das Ge- 
präge der Spätzeit dieser Epoche. Siegehören der dorischen Architektur 
an. Die Säulenstellung eines Stadiums zeigt die letztere in trockner und 
nüchterner Behandlung, während an dem Portikus eines kleinen Heilig- 
thums neben dem Stadium die Kapitälbildung ein gewisses alterthümeln- 
des Element von vollerer Wirkung erkennen lässt.  Aehnliche Beschaf- 
fenheit haben die Reste von Megalopolis.  
Vorzüglich ausgezeichnet sind die Fragmente späthelleniseher Archi- 
tektur in Sicilien. Sie scheinen wesentlich noch dem dritten Jahrhun- 
dert anzugehören. Die dorische Form ist in ihnen, wie in der älteren 
sicilischen Architektur, vorherrschend, aber in einer eigenthümlichen, mehr 
dekorativen Umwandlung, welche den Schmelz weicher ionisirentler Glie- 
(lerformen, mehrfach in sehr zarter und empfundener Protilirung, hinzu- 
fügt, auch eine auffälligere Mischung dorischer und ioniseher Elemente 
nicht verschmäht. Den feinsten Geschmack in solcher Richtung bekunden 
die leider sehr geringen Reste verschiedener Architekturen,  eines 
Säulengebäudes, zweier Theater, mehrerer Grabdenkmäler und Altäre, zu 
Akrae  (bei dem heutigen Palazzolo). Dann sind vornehmlich die' 
schönen Reste des Theaters zu Segesta anzufühmn, sowie die Reste 
verschiedener Gebäude zu Agrigent: eines Tempels des Castor und 
Pollux, eines Tempels des Herakles, des sogenannten Oratoriums des 
Phalaris und des sogenannten Grabmales des Theron. Das letztere, ein 
kleiner thurmartiger Bau, hat oberwärts ionische Halbsäulen und ein 
dorisches Gebälk. Die Verbindung doriseherTriglyphenfriesc mit ionisehen 
Zahnsehnitten unter der Hängeplatte kommt an den genannten Resten 
mehrfach vor.   
Sehr merkwürdig sind ferner die dieser Epoche, und zwar ihrer" 
späteren Zeit, zuzuschreibenden Monumente von Paestum. Zwei von
        

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