Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687868
Dritte Periodvez. 
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(Man dürfte ihn in dieser Beziehung etwa dem Batista Franco unter den 
modernen Künstlern vergleichen, der in ähnlichen Darstellungen ausge- 
zeichnet und dazu vorzugsweise befähigt war, indem er mit dem venetia- 
nischen Colorit die mehr durchgcbildete florentinische Zeichnung zu vor- 
einigen wusste.) Die dekorative Richtung des Pausias spricht sich auch 
in andern Darstellungen, namentlich in seinen Blumenstücken, aus. Eins 
seiner Hauptbilder dieser Art war das Gemälde der schönen Kranzwin- 
derin Glykera. Das glänzendere Oolorit, welches zu solchen Darstellungen 
erforderlich war, gewann Pausias durch eine höhere Ausbildung der 
enkaustischen Malerei, einer Malerei in Wachsfarben, welche der antiken 
Kunst, obgleich in minder handlicher NVeise, ähnliche Vortheile gab, wie 
die Oelmalerei der neueren Kunst. Pausias wird als der vorzüglichste 
unter den enkaustischen Malern genannt.  
Der höchste Meister der griechischen Malerei, Apelles, in der zwei- 
ten Hälfte des Jahrhunderts blühend, vereinte die Vorzüge beider Schulen. 
Von Geburt ein Ionier und zuerst in Ephesos gebildet, trat er nachmals 
in die Schule des Pamphilos ein und erwarb sich hier die höhere Voll- 
endung. Eigenthümlieh war seinen künstlerischen Leistungen vor Allem 
eine Eigenschaft, in der ihm das gesammte Alterthum den Preis zuer- 
kennt,  die Grazie. Am Vollendetsten trat diese, wie es scheint, in 
seinem vielfach gefeierten Bilde der Anadyomene hervor, der Liebesgöttin, 
auftauchend aus den Fluten des Meeres, mit den Fingern die träufelxiden 
Haare auswindend. Aehnlich in einem zweiten Aphroditebilde und in 
der, Darstellung einer der drei Ohariten. Aber auch in heroischen Ge- 
mälden, namentlich in_ ideal aufgefasstexi Bildnissen, dazu die historischen 
Verhältnisse der Zeit vielfache Gelegenheit gaben, bewährte sich die Kunst 
des Meisters. Er vornehmlich war der Maler Alexanders d. G12, und 
hochberühmt war das Bild, in welchem er den König mitdem Blitze in 
der Hand dargestellt hatte. 
Neben Apelles blühten in der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts 
vornehmlich: Protogenes von Kaunos (in Karien), durch die sorgfältigste 
Vollendung und das genauste Naturstudium ausgezeichnet;  Theon von 
Samos, an dessen Darstellungen man die Lebendigkeit der Phantasie be- 
wunderte;  N ikias von Athen, ein Künstler, der, wie es scheint, das 
Bedeutungsvolle in den Compositionen der älteren attischen Meister mit 
der frischen Kraft der entwickelten Kunst zu beleben bemüht war und 
von dem namentlich eine Darstellung des Schattenreiches nach Homer 
gerührnt wird.  Ferner Antiphilos, neben einzelnen bedeutenderen 
Leistungen durch eine Neigung zu dem, in neuerer Zeit sogenannten 
Genrefache, wie in dem zierlichen Etfektbilde eines Knaben, der Feuer 
anbläst, und in der Darstellung einer Werkstatt für Vvollarbeiten, be- 
merkenswerth;  und Ktesilochos, ein jüngerer Bruder des Apelles, 
von dem eine barock travestirte Darstellung der Geburt des Dionysos aus 
der Hüfte des Zeus angeführt wird. 
_aus 
Von erhaltenen Resten der Malerei dieser Epoche ist einiges YVexxige 
grossgriechischen Gräbern, namentlich aus Gräbern zu Paestum,
        

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