Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687822
Dritte Periode. 
151 
Xanthosf welches man als Denkmal des Harpagos bezeichnet und 
Welches sich auf kriegerische Ereignisse der früheren Zeit des vierten 
Jahrhunderts bezogen zu haben scheint. Es soll ein kleiner tempelartiger 
Bau mit ionischen Säulen über einem hohen, von doppelten Bilderfriesen 
umgebenen Unterbau gewesen sein. Zwischen den Säulen sollen Statuen, 
namentlich weibliche, gestanden haben, deren Ueberreste die kühnste Be- 
wegung edler Körper, die leichteste Genialität eines flatternd spielenden 
Faltenwurfes, bei allerdings nicht gleichmässig vollendeter Ausführung 
erkennen lassen. In den Friesen sind zwei Cyklen mit Schlachtdarstel- 
lungen enthalten. Die Darstellungen des einen sind grösser, in, wie es 
scheint, idealer Behandlung, und der Auffassung nach jenen Friessculp- 
turen von Halikarnassos verwandt. Die Darstellungen des kleineren 
Frieses führen die Begebenheiten der "Belagerung und Besiegung einer 
Stadt vor. Auffassung und Behandlung sind hier sehr eigenthümlich; die 
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Von den Reliefs des sog. 
Ilarpagos-Denkmales. 
Ereignisse werden streng historisch, mit bestimmter Angabe der nationel- 
len Eigenthümlichkeiten, namentlich des Kostüms, vorgetragen; Städte- 
Ansichten, mit dem Einblick in das Innere und mit Angabe der Besatzung, 
fehlen nicht. Eine derartig historische Kunst entspricht der hellenischen 
Weise sehr wenig; .sic erinnert, der Grundrichtung nach, auch in einzel- 
nen der angewandten Motive, an die alte assyrische Darstellungsweise. 
Die Ausführung ist in dem Figürlichen voll kräftigen Lebens, gleichwohl 
bei dem Bedürfniss, die Massenwirkung des historischen Ereignisses zur, 
Anschauung zu bringen, von einer gewissen Monotonie, auch nicht ganz 
frei von einem in Etwas befangenen Wesen, welches die alterthümliche 
Grundlage dieser Kunst verräth. Es mischt sich hier wiederum orienta- 
lisches und hellenisches Element, eine Verwendung des letzteren für mehr 
reale Zwecke vorbereitend, die später von bedeutenden Folgen sein sollte. 
Die Sculpturen der lycischen Felsgräber enthalten zum grossen Theil 
Scenen des Beisammenseins der Familie, namentlich auch Gastgelage, 
in denen sich, bei nicht selten glücklichster Naivetät der Auffassung, eine 
eigne Weichheit der Behandlung ankündigt. Treffliche Beispiele der Art 
finden sich besonders an Gräbern von Myra und von Cadyandaß 
Auch fehlt es hier nicht "an Zeugnissen völlig farbigen Anstriches dieser 
1 E. Förster, Kunstblatt, 1845, Nr. 77. E. Gerhard u. E. Braun, arehäolog. 
Zeitung, 1844, Nr. 22.  Welcker in K. O. Müllers Handbuch der Archäologie, 
dritte Auflage, S. 127. E. Falkner, Museum of dass. antiquities, 1851, p. 256, 
Waagen, Treasures of art in Great Britain, I, p. 65.  2 Fellows, a. a. O. pl. 1, 
5, 2a, 26, 29.
        

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