Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687641
Zweite Periode. 
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dem inneren Friese 
des Parthenon. 
eine halb im Schoosse der anderen ruht,) das Bedürfniss einer innigeren 
künstlerischen Wechselwirkung (als der nur linearen) noch nicht kennt. 
Die Sculptnren des Theseustempels und des der Nike Apteros sind, 
wie diese Gebäude selbst, der Zeit des Kimon, wenn auch etwa den 
letzten Jahren seiner YVirksamkeit um die Mitte des fünften Jahrhunderts 
mit Zuversicht zuzuschreiben. Ihre Verschiedenheit von denen des Ear- 
thenon, ihre in sich beschlossene Vollendung bezeichnen sie als Werke 
einer selbständigen, eigenthümlich ausgeprägten Schule. In ihrem ganzen 
Charakter, in dem kräftigen, auf die kühnste Bewegung gerichteten Leben, 
welches in ihnen sich offenbart, erscheint diese Schule als ein Zeugniss 
derjenigen künstlerischen Richtung, welche durch Myron ausgebildet und 
vertreten war; sie hatte sich olmc Zweifel, mittelbar oder unmittelbar, 
unter seinem Einflusse entwickelt. Die Köpfe der Reliefs beider Tempel 
sind leider durchgängig verletzt. (Vergl. hiezu, was im Folgenden über 
die Köpfe der phigalischen Reliefs bemerkt ist.)  Die Sculpturen des 
Parthenon sind Arbeiten der Schule des Phidias; in ihnen scheint überall, 
der Richtung des Meisters gemäss, das vorzüglichste Gewicht auf die 
innerliche Bedeutung des Gegenstandes gelegt. Das minder Beholfene 
in den liletopenreliefs verräth eine Schule, die mit den Leistungen der 
"vorigen ausser Verbindung steht, die mit selbständigen Anfängen beginnt 
und deren eigenthüinliche Richtung in diesen Gegenständen heftig beweg- 
ten Lebens, die entsprechende Aufgabe nicht findet. In dem so wunder- 
vo len inneren Friese kommt es vor Allem doch auf die Composition als 
im und mehr nur auf die geistreiche Andeutung ihrer Darstellungen 
as auf deren selbständig plastische Durchbildung an; das fiache Relief, 
der Umstand, dass die scharf abfallenden Conture der Gestalten nicht 
vermieden sind, dass die Gestalten einander häufig, mit nicht immer ge-V 
nügender Berücksichtigung der Reliefhöhen, theilweise decken, lässt die 
'Arbeit überhauptmehr im Charakter einer sculptirten Zeichnung oder 
Malerei (nach dem einfachen Standpunkte der Kunst der Malerei während 
dieser Epoche) aufgefasst erscheinen; und ohne Zweifel war dieser ihr 
Charakter durch eine verhältnissmässig starke Farbenanwendung noch 
entschiedener hervorgehoben. Die Giebelstatuen scheinen uns, ob auch 
nur in Bruchstücken, das eigenthümliche Wesen des Meisters am Schla- 
gendsten entgegenzuführen. Ob er selbst, in den Modellen oder in der 
Marmorausführung, die eigne Hand an sie mit angelegt, wissen wir freilich
        

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