Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687632
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hellenische Kunst. 
Die 
etwas Herbes, Starres, Gespreiztes in diesen Gestalten, was doch nicht 
sowohl der Einwirkung alterthümlichei" Gewöhnung, als einer in sich. 
noch minder fertigen künstlerischen Thätigkeit zu entsprechen scheint.  
Der grosse Fries, der im Inneren der IIalle rings um das Teinpelhaus 
umherläuft, enthält eine Darstellung des Festzuges der Panathenäen, zu- 
deren Feier der Tempel selbst erbaut war:_an der Rückseite die Vorbe- 
reitungen für den Reiterzug: an beiden Langseiten die Schaaren der 
athenischen Reiter, die Theilnehmer des NVagenkampfes, die Greise und 
Greisinnen der Stadt, die Flöten- und Citherspieler, die Opferzüge; an 
der Vorderseite eine sitzende Götterversammlung, Jungfrauen, Welche die 
Weihgeschenke darbringen, ordnende Magistrate,  das Ganze eine 
überaus reiche Oomposition, die sich auf das Klarste entwickelt und so 
lebendig wie in frischer, reiner Naivetät durchgeführt ist, ein Lebensbild, 
in welchem sich die edelste Zucht und Sitte widerspiegelt. Die Ausfüh- 
rung ist, mit genialer Leichtigkeit, in sehr flachem Relief gehalten: die 
Technik ist verschieden, theils in mehr durchgeführter Modellirung, theils 
mit schärfer umschnittenen Umrissen.  Die Giebel waren mit Gruppen 
von Kolossalstatuen ausgefüllt, im östlichen Giebel die Geburt der Athene 
(0der.ihre erste Erscheinung unter den Göttern), im westlichen den Streit 
zwischen der Göttin und Poseidon um die Schutzherrschaft Athens dar- 
stellend. Hievon sind nur einzelne Statuen und Fragmente erhalten- 
Bletopw 
{es Parthcnon. 
Diese gehören zu den grossartigsten Resten hellenischer Kunst. Es ist 
eine majestätische Hoheit in diesen Gestalten, bewirkt vor Allem dadurch, 
vwie das Bedeutungsvolle des organischen Verhältnisses erfasst und in 
grossen Linien wiedergegeben ist, auch die Gewandung sich solchem Be- 
dingnisse in freiem Spiele oder stfralf angezogen fügt,  ein erhabenes 
Selbstgenügen, welches diesen Gestalten, bei aller Fülle undEntwickelung 
des körperlichen Daseins, das Gepräge heiliger Strenge giebt, sie fast 
unnahbar erscheinen lässt und auch bei der unmittelbar gruppenmässigen 
Verbindung (insbesondere bei jenen beiden weiblichen Gestalten, deren-
        

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