Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687602
Zweite Periode. 
129 
gepriesen werden: Von späteren Nachbildungen ist, ausser einigen trei- 
lichen Büsten, nur die sehr mittelmässige Statue des sog. Verospfschen 
Jupiter im vatikanischen Museum zu nennen.  Im J. 483 war der olym- 
pische Zeus vollendet. Im folgenden Jahre starb Phidias, im Kerker zu 
Athen, dem Grimm der Widersacher des Perikles preisgegeben. 
Namhafte Originalwerke von Phidias Hand sind nicht erhalten. Von 
den Resten der parthenonischen Sculpturen, welche unter seiner Leitung 
ausgeführt wurden, wird weiter unten die Rede sein. Die bedeutenderen 
unter seinen Schülern waren in gleichem Sinne wirksam; wie nahe sie in 
einzelnen Fällen (bei dem formal Gemeinsamen eines vorwiegend gedanken- 
haften Strebens) dem Meister kamen, bezeugt der Umstand, dass mehrfach 
Werke genannt werden, bei denen das Urtheil, 0b sie von Phidias selbst 
oder von einem oder dem andern seiner Schüler herrührten, schwankend 
ist. Der Lieblingsschüler des Phidias warAgorakritos, der vorzüglichst 
ausgezeichnete scheint Alkamenes gewesen zu sein. In einem Wett- 
streite zwischen beiden, in welchem es sich um ein Aphroditebild handelte, 
siegte Alkamenes, und Agorakritos weihte seine Statue, unter dem Namen 
der Nemesis, in den Tempel von Rhamnus. Von Alkamenes wird ausser- 
dem eine erhebliche Anzahl von Götterbildern genannt; auch hatte er in 
dem hinteren Giebel des Zeustempels von Olympia die Statuengruppe, 
welche den Kampf der Lapithen und Kentauren darstellte, gefertigt, wäh-- 
rend die Statuen des vorderen Giebels, den Wettkampf des Pelops und 
Oenomaos darstellend, von Päonios, einem Thracier, herrührten.  Als 
Gehülfe des Phidias bei Ausführung des olympischen Zeus wirdKolotes, 
der sich zugleich durch mehrere eigene Werke chryselephantiner Art, zu 
Olympia und zu Elis, berühmt gemacht hatte, genannt. 
In diesen bildnerisehen Arbeiten, die zu Olympia ausgeführt wurden, 
zeigt sich dieselbe Verpflanzung athenischer Kunst nach ausserhalb, auf 
die bereits bei der Architektur (S. 123) hingedeutet wurde. Es ist hier 
zunächst noch ein andres namhaftes Beispiel anzureihen, den Apollo-Tempel 
zu Delphi betreffend, dessen Giebelstatuen durch einen athenischen Künst- 
ler, Praxias, einen Schüler des Kalamis, gearbeitet" und durch einen 
andern Athener, Androsthenes, beendet wurden. 
Zwei Künstler, zu den jüngeren dieserEpoche und voraussetzlich 
beide zur attischen Schule gehörig, scheinen den durch Phidias und durch 
Myron bezeichneten Ilauptrichtungen in_ einem mehr manierirten Wesen 
gegenüber getreten zu sein. Der eine ist Kallimaehos, der an einer 
noch alterthümelnden Grazie festhielt und dieser durch übertrieben sorg- 
fältige Ausführung ihr Recht zu geben suchte, im Uebrigen aber (und 
gewiss in Uebereinstimmung mit solcher Richtung) in dekorativen Arbei- 
ten, wie in der prachtvollen Lampe für das Erechtheion, Wunder-würdiges 
leistete. Der andre ist Demetrios, der den Ruhm höchster Naturwahr- 
heit, unhellenischer Weise, in der Nachbildung äusserlichster Zufälligkeiten 
der Erscheinung suchte. 
Polyklet, aus Sikyon stammend und zumeist in Arges thätig, war, 
wie Myron und die älteren Meister der peloponnesischen Schule, ebenfalls 
Erzbildncr und in Gestalten, welche dem Kreise athletischer Beschäftigung 
Kugler, Handbuch der Kunstgeschichte. I. 9
        

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