Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687591
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hellenische Klmst. 
Die 
Dioskuren, auf Monte Cavallo zu Rom, trägt die Inschrift als Werk des 
Phidias (wie ihr Gegenstück als Werk des Praxiteles bezeichnet ist); sie 
gehört, der Ausführung nach, der römischen Kaiserzeit an, scheint aber 
in der That auf ein Original des Meisters zurückzudeuten. 
Unter den Göttergestalten hat Phidias die Schutzherrin seiner Hei- 
math, Pallas Athene, mehrfach und in verschiedener Weise gebildet: als 
Vorkämpferin der hellenischen Freiheit (Pallas Promachos) in einem gegen 
60 Fuss hohen Erzkoloss auf der Akropolis von Athen;  ebenfalls als 
kriegerische Göttin (Athene Areia) und ähnlich kolossal in einem akro- 
lithen Werke (das Nackte aus Marmor, das Uebrige in vergoldetem Holze) 
für Platää;  als mildjungfräuliche Friedensgöttin in einem Erzbilde für 
Lemnos;  als Schutzgöttin Athens in dem kolossalen ehryselephantiuen 
Bilde, für welches der Parthenon gebaut war, u. s. w. Die letztere, vor- 
züglich gerühmte Statue war 26 Ellen hoch, aufrecht stehend, mit Schild 
und Lanze, eine vier Ellen hohe Gestalt der Siegesgöttin auf der einen 
Hand tragend, die heilige Burgschlange zu ihren Füssen. Ihr Helm war 
mit Greifen geschmückt, der Helmkamm in Gestalt einer Sphinx gebildet; 
an der inneren Seite des Schildes war der Gigantenkampf, an der äusseren 
eine Amazonenschlacht, am Rande der Fusssohlen ein Kentaurenkampf 
dargestellt. Die Vollendung der Statue fällt in das J. 438. Verschiedene 
Athenestatuen späterer Zeit deuten, als mehr oder weniger freie Nach- 
bildungen, auf dies Werk des Phidias zurück; am Meisten bedeutend ist 
unter ihnen. die sog. Giustinianische Minerva im Vatikan. 
Sodann werden, neben andern Götterbildern, mehrere Statuen der 
Aphrodite, vornehmlich der Aphrodite Urania, erwähnt. Auch hier, wo die 
spätere Kunst den sinnlichen Reiz verwalten liess, ist dieselbe hohe Auf- 
fassung vorauszusetzen. Eine dieser Statuen, zu Elis, bestand aus Elfen- 
bein und Gold, wiederum schon in dem Stoffe die Feierlichkeit der Dar- 
stellung bezeichnend. 
 Das gefeiertste Werk des, Phidias, das höchste der durch ihn 
vertretenen Richtung, war die chryselephantine Statue des Zeus, in dem 
Festtempel dieses Gottes zu Olympia. Sie bildete, aus einer fast über- 
reichen Füllc von Einzelheiten bestehend, das grosse Schlusswerk seines 
Lebens. Der König der Götter war auf dem Throne sitzend dargestellt, 
etwa 40 Fuss hoch, auf einem Untersatz von 12 Fuss Höhe. In der 
einen Hand hielt er ein Scepter, vielfarbig von verschiedenen Metallen, 
auf der andern eine Siegesgöttin, gleichfalls von Elfenbein und Gold; sein 
goldnes Gewand war mit Blumen geschmückt. Der Thron hatte die 
reichsten Zierden aus Gold, Elfenbein, Ebenholz und Steinen,  in freien 
Statuen und Reliefs, auch Malereien bestehend. Die Wände, welche 
zwischen die Füsse und Stützen des Thrones eingelassen waren, hatte 
Panänos, der Vetter des Phidias, mit Gemälden geschmückt; ebenso waren 
der Schemel, auf dem die Füsse des Gottes ruhten, und der Untersatz, 
welcher das ganze Werk trug, mit mannigfachem Bildwerk versehen. 
Die wundersame Gesammterscheinung übte auf die nachgebornen Ge- 
schlechter eine fast dämonische Wirkung aus; sie sahen in dem Bilde 
den Gott selbst gegenwärtig; sein Anblick machte alle Sorge und alles 
Leid vergessen; wer starb, ohne ihn gesehen zu haben, konnte nicht selig
        

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