Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687580
Zweite 
Periode. 
127 
Zu den Schülern und Nachfolgern des Myron, die seine Richtung 
aufgenommen hatten, sind zu rechnen: sein Sohn Lykios, von dem u. A. 
ein Räucherknabe als eine besonders werthvollc Arbeit angeführt wird; 
 Kresilas (oder Ktesilaos), dessen Statue einer verwundeten Amazone, 
für den eben erwähnten Wettkampf mit Phidias und Polyklet gefertigt, 
in verschiedenen Nachbildungen, welche sich im Kapitol zu Rom, im 
Louvre zu Paris u. a. a. O. befinden, erkannt ist;  Styppax, mit dem 
Bilde eines feueranblasenden Sklaven;  Strongylion, der u. A. in 
Thierbildilngen ausgezeichnet war und von dem die eherne Darstellung 
des trojanischen Pferdes mit daraus hervorsehenden Helden, auf der Akro- 
polis von Athen, herrührte. U. A. m.  
Phidias von Athen scheint um den Beginn des fünften Jahrhunderts 
geboren zu sein. Er soll seine künstlerische Laufbahn als Maler begon- 
nen haben. Sein erster Meister im Fache der Sculptur war der Athener 
Hegias; seine weitere Ausbildung empfing er, wie bereits bemerkt, unter 
dem Argiver Ageladas. Der Beginn seiner Wirksamkeit fällt in die Zeit 
des Kimon; seine Blüthe in die des Perikles, der ihm bei der Ausführung 
der künstlerischen Werke, welche zur glanzvollen Verherrlichung Athens 
dienen sollten, die einflussreichste Stellung gab. Nach Phidias Plänen 
und unter seiner Leitung wurde die Ausstattung der grossartigen atheni- 
sehen Prachtbauten dieser Zeit bewerkstelligt. Seine Richtung war eine 
vorzugsweise gedankenhafte, die Form, welche ihm aus der Fülle der 
Phantasie cntgegenquoll, das lebendige Symbol des Gedankens. Die Werke 
seiner eignen Hand hatten, bei der unbedingten Gegenwart, welche das 
Ergebniss einer zum völligen Bewusstsein erwachten Kunst ist, das Gepräge 
erhabenster Würde und harmonischer Ruhe, den Ausdruck des höchsten 
Gleichmaasses geistiger Kraft. Er war vor Allem Götterbildner; er wie 
kein Zweiter war es, der dem hellenischen Götterbewusstsein die körper- 
liche Gestalt gab. Je nach dem Zwecke der Verehrung wusste er die 
einzelne Göttergestalt zur persönlichen Erscheinung durchzubilden, auch 
die persönlichen (mythischen) Beziehungen des dargestellten Götterwesens 
zu einer poesiereichen Fülle nebensächlicher Darstellungen, so wirksam 
auf das Auge des Beschauers wie auf das nachsinnende Gemüth, zu be- 
nutzen. Solchem Zwecke entsprach vornehmlich jene alte kunstvolle 
Technik, welche verschiedenartige Prachtstotfe, namentlich Elfenbein und 
Gold (für das Nackte und für Haar und Gewandung), zur feierlichen Ge-_ 
sammtwirkung vereinigte; Phidias gilt insbesondere hierin (in der Fertigung 
ßhryselephantiner" YVerke) als der gediegenste Meister. Im Uebrigen 
werden Erz- und Marmorarbeiten seiner Hand angeführt. 
Die Zahl der Bildwerke von Phidias' Hand, welche nicht unmittelbar 
der Götterverehrung dienten, war gering. Noch in Kimon's Zeit scheint 
eine Gruppe von dreizehn Bronzestatuen zu fallen, welche als Weihge- 
schenk für den marathonischen Sieg in Delphi aufgestellt wurden. Es 
waren die Bilder alter Heroen, denen Miltiades, Athene und Apollon zu- 
gesellt waren.  In dem erwähnten künstlerischen Wettkampfe fertigte 
er eine auf einen Speer gestützte Amazone, die man in mehreren Nach- 
bildungen, .die vorzüglichste im vatikanischen Museum zu Rom, erkennen 
zu- dürfen meint.  Die grossartige Kolossalstatue eines rossebändigenden
        

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