Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687530
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Die hellenische Kunst: 
bewegt dekorativer Form (statt der Zahnschnitte) gekrönt.  Der andre 
Tempel (der nicht mehr vorhandene) lag ausserhalb der Stadt am Ilissus. 
Seine Formen waren ähnlich behandelt, seine Verhältnisse aber schon 
etwas leichter.  Der dritte Tempel ist der der Athena Pelias auf 
der Akropolis, der eigentliche Oulttempel der Göttin, der zugleich den 
Namen des Erechtheions führt, ein uraltes Heiligthum, welches im 
mässigen Umfange verschiedene Räumlichkeiten, Reliquien, Zeichen und 
Geheimnisse einschloss und dessen älterer Bau durch die Perser Zerstört 
war. Er wurde, wie es scheint, erst nach Perikles Tode (429) neu gebaut 
und gegen den Schluss des Jahrhunderts vollendet. Die Anlage hat, durch 
jene heiligen Traditionen bedingt, einige Besonderheiten, indem der Bau 
sich auf verschiedenartiger Bodenhöhe erhebt und mit eigenthümlichen 
Nebenhallen versehen ist. Die ionische Architektur entwickelt sich hier 
zu reicher Pracht, sowohl an der Vorhalle der Hauptcingangsseite, als 
an der auf der Nordseite vorspringenden Säulenhalle. Die Verhältnisse 
haben überall die graziöseste Anmuth; die technische Ausführung zeigt 
die feinste Vollendung. Die Säulenkapitäle sind mit mächtigen, doppel- 
rinnigen Voluten, welche ein sehr lebhaftes Formenspiel hervorbringen, 
die Säulenschäfte oberwärts mit einem blumengeschmückten Halsc von 
zierlichster Ornamentik versehen. Die Gesimse, die Basen der Säulen 
und Wandpfeiler sind auf mannigfache Weise gegliedert und durch pla- 
stisch gearbeitete Zierden (statt der nur aufgemalten in der dorischen Bau- 
weise) belebt. In alledem macht sich ein bemerkenswerther, die jüngere 
Zeit schon entschieden bezeichnender Gegensatz gegen jene straffe Ela- 
sticität des Dorismus geltend. Die Friese waren mit Bildwerken ge- 
schmückt (eigenthümlieher Weise in der Art, dass die Masse des Frieses 
aus dem dunkeln piräischen Steine, (las Bildwerk aus Marmor bestand 
und jenem aufgeheftet war); die Krönung des Frieses besteht, wie bei 
den ebengenannten kleinen Tempeln, aus dekorativen Gesimsgliedern. 
Eine ganz besondre Einrichtung hat die auf der Siidseite vorspringende 
Nebenhalle, indem das Gebälk und Dach derselben von weiblichen Statuen 
getragen wird. Hier hat zugleich das Gebälk keinen Fries; vielmehr liegt 
das Krönungsgesims mit den nach asiatischer Weise darunter befindlichen 
Zahnschnitten unmittelbar auf dem Architrav. 
Den architektonischen Monumenten Athens schliessen sich zunächst 
einige an andern Orten von Attika an. 
Zu Eleusis wurde der grossc Mystcrientempel der Demeter nach 
dem Plane des Iktiuos gebaut; die ausführenden Architekten der ver- 
schiedenen Theile waren Koroebos, Metagenes und Xeuokles. Das 
Gebäude war zur Aufnahme einer grösseren Menschenmenge bestimmt 
und (lemgemäss eigenthümlich angelegt, in grosser Ausdehnung, durch 
Säulenreihen in mehrere Schiffe getheilt, mit Gallerien über denselben 
und einer kunstreichen Bedeckung. Es sind davon nur äusserst geringe 
Reste bekannt geworden. Ob die Fragmente des Innenbaues der ursprüng- 
liehen Anlage angehören, ist zweifelhaft; die Reste eines Portieus an der 
Aussenseite und die von verschiedenen ansehnlichen Nebenbauten sind später, 
Erhaltene attische Reste dieser Epoche, in dorischer Form ausgeführt 
und zumeist, wie sich aus Eigenthümlichkeiten der Behandlung und aus
        

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