Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687473
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Die 
Kunst. 
liellenisehe 
den Uebergang des Darius über den Bosporus (513), auf der. von Man- 
drokles erbauten Schiffbrücke darstellte. 1 Darius war vorn auf einem 
Thronsitze und das Heer im Hinübergehen abgebildet. Der Gegenstand 
erscheint fremdartig neben den üblichen Gegenständen hellenischer Kunst; 
er erinnert auffallend an die Darstellung historischer Ereignisse, welche 
der älteren asiatischen Kunst eigen waren-, und lässt hierin wiederum 
und in eigener Weise einen Einliuss der letzteren voraussetzen.  
Von der handwerklichen Verwendung der Malerei auf Thongefässen 
ist, bei der Hinweisung auf die fremden Einllüsse, welche bei der Ent- 
wickelung der hellenischen Kunst wirksam waren, bereits die Rede ge- 
wesen. Die Gefässe mit schwarzen Figuren auf rothem Grunde, welche 
vorzugsweise auf attischen Ursprung deuten, enthalten für das allgemeine 
Kunstleben der Zeit, in Bezug auf Inhalt und Darstellung, eine Fülle von 
Beispielen. Die Gegenstände sind Scenen des ernsteren G-ötterdienstes 
oder des heftigen bacchischen Cultus, Darstellungen heroischer Thaten, 
athletischer Uebungen. Der Styl ist streng, die Geberde meist hastig 
und gewaltsam. Einzelnes nähert sich jener Läuterung des Styles, welche 
in den attischen Bildwerken zu Tage tritt. 
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Periode. 
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geme 
Im zweiten Viertel und gegen die Mitte des fünften Jahrhunderts 
beginnt die zweite Periode der ausgeprägt hellenischen Kunst, die ihrer 
ersten grossen Blüthef Es ist die Zeit der glänzenden nationalen Erhe- 
bung, welche auf die Besiegung der persischen Macht folgte. Sie dauert 
bis gegen den Schluss des Jahrhunderts, da in den Stürmen des pel0- 
ponnesischcn Krieges neue und tiefgreifende Veränderungen des griecl1i- 
schen Lebens, wie in der äusseren Machtstellung der Staaten so in der 
geistigen Richtung des Volkes, eintreten. 
Das Bedingende für die künstlerische Thätigkeit dieser Periode, das 
Wesentliche ihres künstlerischen Styles beruht in dem plastischen Ge- 
setze, in derjenigen organischen Durchbildung der Gestalt, durch welche 
sie von den Banden des architektonischen Gesetzes frei wird. Hierin 
wird das Höehstvollendete geleistet; doch nicht ohne diejenige Ausschliess- 
lichkeit, welche in den Bedingnissen des plastischen Gesetzes liegt. Ein 
vollkommen entwickeltes, vollkommen harmonisches, in sich vollkommen 
befriedigtes Leben darzustellen, erscheint fortan als die Hauptaufgabe des 
Künstlers. Die Gestalt wird zum höchsten Begriff selbständigen Lebens; 
sie geht über die Bedingtheit des Einzellebens hinaus; sie wird, die 
Schranke individuellen Daseins überflügelnd, zum Repräsentanten der Gat- 
tung, insbesondre jenes höchstgesteigerten GattungsbegriHes, welcher sich 
dem Hellenen in seinen menschgestalteten Göttern verkörpert. Sie hat 
Herodot
        

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