Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687428
Erste Periode. 
111. 
nach zu nennenden äginetischen Statuen, Andres zugleich aber noch an 
die übertriebenen Formen der eben besprochenen Reliefs. 
Einen bemerkenswerthen Gegensatz gegen die ältesten selinuntischen 
Sculpturen bilden mehrere hochalterthürnliche Apollo-Statuen, die, in 
mehr oder weniger bestimmter Weise, das Ergebniss einer Einwirkung 
ägyptischer Kunst verrathen. Sie sind völlig nackt dargestellt, gerade 
aufrecht stehend, die Arme gerade niederhängend, den einen Fuss ein 
wenig vorgerückt, doch so, dass der Körper auf beiden ruht. Eine dieser 
Statuen, theilweise beschädigt, wurde auf der Insel Thera gefundenl und 
(im befindet sich in dem athenischen Museum des Theseus- 
  tempels; sie hat, besonders in der Brust, auch in der 
  Gesichtsbildung, noch etwas Schweres und Gedrungenes, 
J) 71 was hier wiederum noch als eine Nachwirkung der älte- 
f   V ren orientalisirenden Kunstrichtung gelten darf. Eine 
tvv 4   zweite Statue (in der Glyptothek zu München) stammt 
   aus Tenea bei Korinth;  sie ist besser erhalten, das 
  . fit),  Haar perrückenartig, in der Weise eines ägyptischen 
 y   Kopfschmuckes niederfallend. Bei grosser Gebundenheit 
  .4 lt, der Gesammterscheinung, bei einer noch maskenhaften 
 Q  Gesichtsbildung, ist in dieser merkwürdigen Statue, welche 
 l DE den ägyptisirenden Typus entschieden zur Schau trägt, 
,   ein überaus glückliches, ebenso leichtes wie kräftiges 
  Verhältniss in der Körperbildung erreicht, das Einzelne 
   mit feinem Gefühle für den Organismus behandelt.  
 1   Eine auf Naxos befindliche, roh zugehauene Kolossal- 
k   statue, von etwa 34 Fuss Höhe, erscheint auf einen ähn- 
{ i liehen Typus berechnet; doch sollten die Arme vom Ell- 
  , bogen ab frei vorgestreckt werden. Die Statue ist, wohl 
 wegen schlechter Stellen des Materials, im Steinbrüche 
  liegen geblieben. Die auf Delos befindlichen Trümmer 
Avollgggääge von eines ausgeführten Kolosses hatten dieselbe Haltung.  
 Die letztere entspricht dem Typus, welchen Kanachos 
seiner milesischen Apollostatue gegeben hatte. Diese trug besondre At- 
tribute auf den Händen. Man hat Nachbildungen davon auf Münzen und 
in einigen erhaltenen Bronzen, namentlich einer Statue des britischen 
Museums zu London erkannt, die allerdings einen unmittelbaren Rück- 
schluss auf das Original nicht verstatten, doch eine eigne Weiterbildung 
derjenigen Auffassung, welche in den eben genannten Apollostatuen vor- 
lag, zu bezeichnen scheinen. 
Der Athene-Tempel von Aegina war in beiden Giebelfeldern mit 
Statuengruppen geschmückt, welche, zum grossen Theile wohl erhalten, 
gegenwärtig in der Pinakothek von München befindlich sind. Sie geben 
von der Höhe der Entwickelung der _hellenischen Kunst in den ersten 
Deeennien des fünften Jahrhunderts und von dem, was als Wesen des 
1 Abbildung bei A. Schöll, archäologische Mittheilmlgen {M18 
I, Taf. IV, Fig. 8.  2 Monumenti ined. dall" instituto (11 comsp. 
pl. XLIV. 
Griechenland, 
aroheql. , IV,
        

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