Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687417
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Die hellenische Kunst. 
dieser letzteren wird a.ls eine alterthümliche bezeichnet; ihre Werke wer- 
den als herb, sahnig, scharfumrissen geschildert. 
Es sind insbesondere die äginetische und die attische Schule, die, 
den Aeusserungen alter Schriftsteller zufolge, für die in Rede stehende 
Periode der hellenischen Kunst einen entschieden charakteristischen Typus 
gewonnen zu haben scheinen. Die alterthümliche Herbigkeit beider ist 
in den eben gegebenen Andeutungen ausgesprochen; gelegentlich auch 
werden sie, das noch Unfreie der Entwickelung näher bezeichnend, mit 
den Richtungen der etruskischen und der ägyptischen Kunstl zusammen- 
gestellt. Die Unterschiede beider dürften  ähnlich, wie äginetische und 
attische Architekturen der Zeit einander gegenüberstehen,  auf die bei- 
den grossen Stammuntersehiede des Hellenismus zurückzuführen sein, der 
Art jedoch, dass auch hier nicht mehr die unbedingte Einseitigkeit der- 
selben sich geltend macht. In der äginetischen Bildnerei wäre somit ein 
charakteristisch dorisches Element zu erkennen, in der attischen ein cha- 
rakteristisch ionisches. Den erhaltenen Resten zufolge würde jenes in 
einer gewissen Starrheit der Erscheinung bei sorglichstem Studium des 
Details, dies in einer mehr harmonischen, einer mehr auf den Gresammt- 
eindruck berechneten Flüssigkeit der Linien,  jenes in schärferer Gründ- 
lichkeit, dies in tieferer Grazie (die sich, wie mit voller Grösse, so selbst 
auch mit noch conventioneller Strenge des Styles sehr wohl vereinigt) 
bestanden haben. 
Unter den erhaltenen Bildwerken dieser Periode sind zunächst 
einige sicilische zu nennen. Vorzüglichst alterthiimliehes Gepräge haben 
die Metopenreliefs jenes dem sechsten Jahrhundert angehörigen Tempels 
von Selinunt, Welcher der mittlere des westlichen Hügels ist und des- 
sen Arehitektnr ebenfalls ein vorzüglich altes Gepräge trägt. Es sind 
drei Reliefs erhalten: Herakles mit den Kerkopen, Perseus Erlegung der 
Medusa und ein fragmentirtes Viergespann. Die Verhältnisse der Gestal- 
ten sind überaus breit und_ schwer; ihre Haltung der Art, dass Haupt 
und Brust von vorn, die Füsse von der Seite genommen sind. Die Mus- 
kulatur ist sehr derb, die Gewandung einfach schematisch. In der ganzen 
Behandlung sind altasiatische Reminiseenzen unverkennbar, in sehr ähn- 
licher Weise, wie sich diese in der altetruskischen Kunst wahrnehmen 
lassen. Es liegt mithin auch hier noch ein Zeugniss jener Entwicke- 
lungsepoche vqr, welche sich aus orientalisghen Styltraditionen herausar- 
beitet; das westliche Lokal, in der näheren Berührung mit etruskischem 
Wesen, mag dabei nicht olme Einfluss gewesen sein.  Der Frühzeit des 
fünften Jahrhunderts gehören die Fragmente von zwei Metopenreliefs des 
mittleren Tempels" des östlichen Hügels von Selinunt an. Der Inhalt 
derselben, siegreiche Kämpfe weiblicher Gestalten mit Kriegern, bezieht 
sich vermuthlieh auf den Gigantenkampf. Die Darstellung ist hier schon 
eine ungleich bewegtere und leichtere geworden, das Nackte feiner be- 
handelt, die Gewandung zierlicher gelegt. Manches erinnert an die her- 
Oder 
ägyptisirenden , 
vrgL 
oben,
        

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