Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687406
Erste Periode. 
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gruppen, der Heroenmythe angehörig, die als Weihegaben für heilige 
Qrte, z. B. für Olympia, gefertigt wurden. Das vorherrschende Material 
dieser Arbeiten war jene Verbindung von Cedernholz oder Ebenholz mit 
den sehmückenden Stoffen des Elfenbeins und Goldes. In einer ähnlichen 
Zusammensetzung der Stoffe scheint ein wundersam reiches Werk gebil- 
det gewesen zu sein, welches ein von der asiatischen Küste herüberge- 
Wanderter Künstler, Bathykles von Magnesia, mit seinen Landesgenos- 
Sen zu Amyklä in Lakedämon fertigte. Es war ein Thronbau, der jenen 
rohen Erzkoloss des amykläischen Apollon (S. 98) umgab und mit einer 
überaus grossen Fülle von bildnerischen Darstellungen mythologischen 
Inhalts versehen war.  
Am Ende des sechsten Jahrhunderts und im Anfange des folgenden 
Waren Sikyon und Argos durch selbständige Kunstschulen ausgezeich- 
net. Der vorzügliehste Meister der ersteren war Kanachos, der, wie es 
scheint, sich besonders in Göttergestalten bethätigte. Eine Aphrodite von 
ihm bestand aus Gold und Elfenbein. Für Milet und für Theben fertigte 
er zwei einander völlig ähnliche Apollostatuen, jene von Erz, diese von 
Holz. Seine Richtung wird als die einer alterthümlichen Strenge bezeich- 
net. Die erhaltene Nachbildung seiner milesischcn Apollostatue (vergl. 
unten) giebt davon eine Andeutung.  Der Hauptmeister der Schule von 
Argos war Ageladas, ein Künstler, welcher vorzugsweise Erzarbeiten 
lieferte und, ausser Göttergestalten, namentlich auch Athletenbilder, Weihe- 
bilder olympischer Sieger, für welche in der Regel das Erz angewandt 
Ward, fertigte. Der vorzüglichste Ruhm dieses Künstlers ist, die drei 
grössten Meister der folgenden Epoche, Myron, Phidias, und Polyklet, ge- 
bildet zu haben.  Ein Zeitgenoss Beider (falls nicht älter) scheint Gi- 
tiadas von Sparta gewesen zu sein, welcher den dortigen erzbekleideten 
Tempel der Athene Ohalkiökos mit bildnerischeii Darstellungen schmückte. 
Eine dritte Schule von eigenthümlicher Bedeutung gehört der Insel 
Aegina an. Von hier war schon ein namhafter Künstler des sechsten 
Jahrhunderts, Smilis (der häufig den Namen des mythischen Zeitalters 
zugesellt wird), ausgegangen. Man nennt von ihm u. A. Arbeiten in 
Gold und Elfenbein. Die Blüthe der Schule von Aegina fällt wiederum 
in den Schluss des sechsten Jahrhunderts und in die frühere Zeit des 
folgenden. In ihr besonders wurde der Erzguss gepflegt und für die Bil- 
der olympischer Sieger verwandt. Neben andern Künstlern, Glaukias, 
Simon u. s. w., wird Kallon als einer der Hauptmeister dieser Schule 
genannt und seine Richtung, ähnlich der des Kanachosg abermals als 
Typus alterthümlicher Härte aufgeführt. Zur höchsten Entwickelung 
scheint die Schule in Onatas, im zweiten Viertel des fünften Jahrhun- 
derts, gediehen zu sein. Die als Arbeiten seiner Hand namhaft gemach- 
ten Werke verrathen eine gewisse Vielseitigkeit. Zu ihnen gehören grös- 
sere Statuengruppen, deren eine, ein zu Olympia befindliches Weihgeschenk, 
eine Gruppe griechischer Helden vor Troja darstellte. 
Endlich blühte gleichzeitig auch zu Athen eine besondre Kunst- 
schule. Unter den Künstlern derselben wird zunächst Endöos, als Mei- 
ster von Götterbildern in Holz, Elfenbein, Marmor, genannt. Sodann 
Hegias oder Hegesias, Kritios und Nesiotes. Auch die Richtung
        

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