Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687395
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Die hellenische Kunst. 
Korinth. Die Ausführung scheint jedoch sehr langsam erfolgt zu sein. 
Die bis jetzt bekannt gewordenen Reste verstatten kein genügendes Urtheil. 
Von dem gefeiertsten Tempel Klein-Asiens haben wir nur nach-v 
richtliche Kunde. Es ist der Arthemis-Tempel von Ephesos, der gösste 
des gesammten hellenischen Alterthums. Sein Bau begann ebenfalls um 
die Mitte des sechsten Jahrhunderts. Baumeister waren Chersiphron 
(oder Ktesiphon) und sein Sohn Metagenes. Das Tempelhaus war von 
zwiefacher Säulenstellung umgeben; die Architektur war ionisch; die Säu- 
len, 60 Fuss hoch, bestanden zum Theil aus einem Stück.  Von dem 
Tempel der Hera auf der Insel Samos, vermuthlich von einem Bau, 
welcher in der zweiten Hälfte des sechsten Jahrhunderts unter Polykra- 
tes ausgeführt wurde, haben sich geringe Reste erhalten. Es sind be- 
sonders ionische Säulenbasen von hoher, sehr straffer Hauptform und fei- 
ner spielender Detaillirung. Sie machen (nächst jenen lycischen Felsfaga- 
den, S. 94) das einzige erhaltene Stück altionischen Baustyles aus, he- 
zeichnen jedoch die Richtung desselben in sehr charakteristischer Weise. 
Sehr alterthümlich erscheinen ferner die Reste eines "dorischen Tem- 
pels zu Assos (südlich von Troja). Die Formen haben noch etwas Un- 
entwickeltes, und auffälliger Weise ist der Architrav, der als wesentlicher 
Theil des architektonischen Gerüstes in der hellenischen Architektur sonst 
von aller Sculptur frei bleibt, hier mit solcher bedecktß 
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tu 
Die historischen Notizen über die bildende Kunst im Beginn dieser 
Periode deuten wiederum noch auf einen Zusammenhang mit orientalischer 
Kultur. Sie gehören den östlichen Gegenden, namentlich den Inseln der 
kleinasiatischen Küste an und bezeichnen einen lebhaften Betrieb in der 
Fertigung von Erzarbeiten. Zum grossen Theil handelt es sich dabei um 
prächtige Tempelgeräthschaften oder Weihegaben in der Form grosser 
Gefässe, die aus Werthvollem Metall gearbeitet waren. Als namhafte 
Meister werden Rhoekos und Theodoros von Samos genannt, denen 
man die Erfindung des Erzgusses zuschrieb, und Glaukos von Chios, 
der das Löthen des Eisens erfunden haben soll. 
In der ersten Hälfte oder um die Mitte des sechsten Jahrhunderts 
erscheinen zwei gemeinsam arbeitende Meister, Dipoenos und Skyllis 
aus Kreta, deren Arbeiten und sonstige Wirksamkeit mit grösserer Ent- 
schiedenheit ein künstlerisch persönliches Hervortreten erkennen lassen. 
Sie waren im Peloponnes, namentlich zu Arges und Sikyon, thätig und 
bildeten eine bedeutende Kunstschule. Unter den Zöglingen der letzteren 
werden besonders Künstler aus Sparta aufgeführt. Die Gegenstände der 
Darstellung waren, ausser einzelnen Götterbildern, umfassende Statuen- 
1 Sofern nämlich die Angabe, 
angehörten, völlig begründet ist. 
dass 
die 
betreffenden Reliefs 
dem 
Arch 
itrav
        

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