Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687364
Erste 
Peri 
ode. 
Allgemeines. 
Die Entwickelungsperiotle der hcllenischen Kunst, in ihrer selbstän- 
digen Eigenthümlichkeit, begreiftdie Zeit des sechsten Jahrhunderts und 
die der ersten Deeennien des folgenden. Sie schliesst mit jener Epoche 
des hochgesteigerten Naticiiallvewusstseins, welches durch die siegreiche 
Abwehr der Perser (in Sieilien mit der Abwehr der Karthager), in der 
Frühzeit des fünften Jahrhunderts, hervorgerufen War. und, wie allen 
Lebensverhältnissen, so auch dem künstlerischen Streben den mächtigsten 
Umschwung bereitete. Das mit dem Eindruck jener Siege aufgewachsene 
jüngere Geschlecht leitete diesen Umschwung ein. Die ältere künstlerische 
Richtung dauert, je nach den besonderen Standpunkten der Schulen und 
Meister, bis in das zweite Viertel, auch etwa. bis zur Mitte des fünften 
Jahrhunderts. 
Ihrem allgemeinen Charakter nach ist diese Periode als die des ge- 
bundenen Styles zu bezeichnen. Das architektonische Gesetz erscheint, 
wie auf allen einleitenden Entwickelungsstufen der Kunst, noch als maass- 
gebend, die bildende Kunst als abhängig von dessen Bedingnissen. Nach 
dem Verhältniss der architektonischen Massen und Linien wird auch die 
individuelle Gestalt, was das Allgemeine ihrer Erscheinung betrifft, noch 
in mehr oder weniger schematischer WVeise gebildet, tritt dies schematische 
Gesetz besonders da hervor, wo ein selbständiger Organismus (ohne Vor- 
bild eines von der Natur gegebenen) geschaffen werden musste,  vor 
Allem in der Gewandung. Dabei äussert sich jedoch das Streben nach 
möglichst durchdringender Lebensbefähigung in sorglichster Auffassung 
und Wiedergabe der Einzelheiten des körperlichen Organismus. Starre 
Grösse des Styles bei innerlichem Lebensringen, in verschiedenen Stufen 
der Ausbildung, im Einzelnen zu einer eigenthümlich strengen Grazie 
verklärt, ist das künstlerische. Ergebniss dieser Entwickclungszeit. 
Arohitektu 
NVas an architektonischen Resten aus der ersten Periode der selb- 
ständig hellenischen Kunst erhalten ist, bekundet ein schon vollständig 
ausgeprägtes System. (Wenigstens in Betreff des dorisehen Baues, wäh- 
rend es uns, wie angedeutet, für die Frühzeit des ionischeu an zureichen- 
der Kenntniss fehlt.) Der architektonische Organismus ist in allen Theilen 
entwickelt, und nur einige wenige Beispiele von abnormer Eiuzelbildung 
deuten noch auf das vorübergegangene Zeitalter der Versuche zurück. 
Alles aber, mehr oder weniger, trägt noch den Charakter der Anstrengung, 
einer zum Theil gewaltsamen Krafteiltwickelung. Die Verhältnisse sind 
noch derb, die verbindenden, trennenden, krönenden Zwischengliedßr TIOCh 
schwer. Es spricht sich in diesen Monumenten noch der Kampf zur Be- 
wältigung des lastenden Stoifes aus; aber das maehtvolle Leben, Welches 
dabei zur Erscheinung kommt, ist gleichzeitig von ergreifendster WVirkung.
        

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