Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687350
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Die hellenisehe Kunst. 
dingnissen der alten Mythen, den kühneren Forderungen der Phantasie 
keineswegs abgeneigt; sie erschrickt nicht vor der Bildung monstroser, 
aus dem verschiedenartigen zusammengesetzter Gestalten, welche auf den 
uralten Culturzusammenhang mit dem Orient zurückdeutet; aber sie ver- 
hält sich auch diesen Gebilden gegenüber mit einem so starken Lebens- 
gefiihle, mit einer so schöpferischen Kraft, dass ihr die Täuschung, welche 
das Ungeheuerliche zu einem wirklich vorhandenen macht, in vollem 
Maasse gelingt,  
Die beiden Hauptrichtungen hellenischcr Cultur, die des dorischen 
und des ionischen Elementes, geben dem Gange der künstlerischen Ent- 
wickelung naturgemäss ein verschiedenartiges Gepräge. Dies gilt insbe- 
sondere von der Architektur, lässt sich im Einzelnen aber, zumal in 
früherer Zeit, auch an den Werken bildender Kunst Wahrnehmen. Es 
unterscheiden sich die Gegenden eines strengen Dorismus von denen eines 
strengen Ionismus: es Endet aber auch eine Verbindung beider Oultur- 
elemente statt, in welcher das eine in dem andern sich abklärt und aus 
solchem Verhältniss eine höhere, die vorzüglichst geläutertevKunstbildung- 
sich anbahnt. Die Lande des Westens  namentlich Sicilien und Unter-- 
italien mit ihren zumeist dorisch-hellenischen Colonieen, die in dcr grös- 
seren Entfernung vom griechischen Mutterlande fester an dem ursprüng- 
lich Mitgebrachten beharrten,  erscheinen vorwiegend dorisch, die 
ionische Küste Kleinasiens vorwiegend ionisch. Im eigentlichen Helles 
ist es der Peloponnes, wo der Dorismus vorherrscht. Attika ist ionisch; 
aber dasselbe nimmt zugleich das dorischc Element für seine künstlerische 
Entwickelung in einer Weise in sich auf, dass hier zunächst jene schönere 
Verbindung beider folgenreich zu Tage tritt. Nach solchem Vorgange 
verliert die Form des ursprünglich Stammunterschiedenen im Lauf der 
Zeit mehr und mehr ihre Bedeutung als solche und wird, für die Kunst, 
zum unabhängigen ästhetischen Symbolß 
1 Hauptwerke monumentaler Darstellung und Forschung: Stuart und Revett, 
antiquities of Athens (deutsch, .,Alterthümer von Athen"), nebst Supplement. 
Penrose, an investigation of the principles ofAthenian architecture. Beule, 1'Ac1'0- 
pole d'Athenes. Boss. Schaubert etc., die Akropolis von Athen. Inwood, the 
Erechtheion of Athens (deutsch durch v. Quast). Unedited antiquities of Attioa 
(deutsch). A. Blouet, expedition seient. de Moree. v. Stakelberg, der Apollotempel 
zu Bassä. Jonian antiquities (deutsch). Texier, descr. de PASie Mineure. Serra-ß 
djfalco, antichitä della. Sicilia. D. de Luynes, Metaponte. De 1a Gardette, les 
ruines de Paestum. Gailhabaud, Denkmäler der Baukunst. Zahlreiche Kupfer- 
werke über die Sammlungen antiker Kunst, besonders die italienischen. K. O. 
Müller und K. Oesterley, Denkmäler der alten Kunst (bildende Kunst). "K. O. 
Müller, Handbuch der Archäologie der Kunst (dritte Aufl. von Fr. G. Welcker); 
F. Thiersch, über die Epochen der bildenden Kunst unter den Griechen; u. A. m. 
H. Brunn, Geschichte der griechischen Künstler. 
        

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