Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687297
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hellenisehe Kunst. 
Die 
und eingelegter Arbeit, aus Holz, Elfenbein und Gold bestehend, versehen 
war. Die Darstellungen waren in fünf Reihen übereinander geordnet 
(hierin also der Dekorationsweise der ebenbesprochenen VVasen ähnlich); 
die Gestalten werden mehrfach als phantastische, namentlich geflügelte 
bezeichnet. Der Inhalt der Darstellungen, durchaus der hellenischen Na- 
tionalmythe entnommen, deutet zugleich aber auf eine geistige Richtung, 
welche allerdings schon ein eigenthümliches Ziel verfolgt und z. B. von 
derjenigen, die sich in den Darstellungen des_Schildes des Achilles bei 
Homer kund giebt, wesentlich verschieden ist. 
Noch mag angeführt werden, dass dieser Frühepoche der hellenischen 
Kunst kolossale Bildwerke von Metall angehören, die wenigstens in ma- 
terieller Beziehung auf cine, der orientalischen Kunst entsprechende Stufe 
deuten. So ward von Kypselos nach Olympia ein aus Gold geschlagenes 
Kolossalbild des Zeus geweiht. So stand zu Amyklä ein höchst alter- 
thümliches riesiges, nachmals vergoldetes Erzbild des Apollon, säulenartig, 
nur mit dem Haupte und mit der Andeutung der Hände und Füsse ver- 
sehen.  Auch für die Architektur fehlt es nicht an Beispielen einer 
solchen Erzverwenrlung. Das Schatzhaus des Myron zu Olympia, aus 
der zweiten Hälfte des siebenten Jahrhunderts, hatte zwei eherne Ge- 
mächer, und zwar das eine von dorischer, das andre von ionischer Bauart, 
über deren sonstige Behandlung indess nichts gesagt wirdß 
Aegyptischer 
Einfluss. 
Für die Entwickelung der hellenischen Kunst kommt aber noch ein 
andres, einer abweichenden Richtung zugehörigcs Element in Betracht. 
Es ist eine unmittelbare Einwirkung ägyptischer Kunst. 2 Alte Traditio- 
nen, freilich in die mythische Vorzeit hinaufgerückt, deuten auf mehr- 
fachen Culturzusammenhang mit Aegypten. Verschiedene bauliche Reste 
im Peloponnes haben ein Gepräge, welches gewissen Elementen der ägyp- 
tischen Architektur entspricht; Berichte über nicht mehr Vorhandenes 
geben (lasselbc Verhältniss an. Es sind theils Ueberbleibsel von pyra- 
rnidalen Monumenten, besonders in Argolis, wo Pausanias noch vollständig 
erhaltene sah,  im Einzelnen, wie bei der sogenannten Pyramide von 
Kenchreä, am Berge _Cha0n, von alterthümlich griechischer Structur; 
theils Trümmer mit den Stücken achteckiger Säulenschäfte, in jener Form, 
welche in der älteren ägyptischen Kunst nicht selten ist, zu Trözen und 
an der Stelle des Heiligthums der Artemis Limnatis auf der Grenze 
zwischen Lakonien und Messenien. Dann ist an jene ausgebildetere Gat- 
tung der altägyptischen Architektur zu erinnern, welche man als die 
protodorische benannt hat und welche in ihren kanellirten und verjüngten 
Polygonalsäulen, im Einzelnen mit schon förmlich dorisirendem Kapital, 
auch mit dem die Formen des Holzbaues nachahmenden Gebälke, in der 
YPausanias VI, 19, 9-  2 Der Herausgeber vermag dieser Auffassung des 
Verfassers sich nicht anzuschliessen, hält sich indess gleichwohfnieht berechtigt, 
derselben, du sie als Endergebniss der Studien und als Ausfluss der Anschauungs- 
weise Kuglefs zu betrachten ist, die seinige _.uuterzusehieben. W. L.
        

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