Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687234
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Das Pelasgerthum. 
facaden nachgebildet. Die Denkmäler fallen sämmtlich, oder jedenfalls 
doch der höchst überwiegenden Mehrzahl nach, nicht vor die Epoche der 
Blüthezeit der hellenischen Kunst; dies ergiebt sich insbesondre aus dem 
Charakter der Sculpturen, mit denen sie nicht selten geschmückt sind. 
Zum Theil erscheinen sie sogar beträchtlich spät. Doch darf angenommen 
werden, dass diese absichtliche Nachahmung äusserlich constructioneller 
Formen auf einer älteren nationalen Tradition beruhe und dass ihr eine 
naiver dekorirende Behandlungsweise, etwa wie bei den eben angeführten 
phrygischen Monumenten, vorangegangen war. Die Sarkophagform mit 
jener merkwürdig spitzbogigen Bedachung beruht ohne Zweifel (wie sie 
später auftauchenden orientalischen Motiven entspricht) auf einer älteren 
Richtung des orientalischen Formensinnes. Die schlichteren Sarkophag- 
monumente dürften daher zum Theil auch einer frühern Zeit angehören. 
Eine geringere Anzahl dieser Felsgräber hat, abweichend von der 
eben geschilderten Behandlungsweise, eine Verwandtschaft mit den Formen 
der ionisch-griechischen Architektur. Es sind Säulenportiken mit Gebälk 
und Giebel, theils reliefartig gebildet, theils in vortretendem Freibau. Die 
ganze Anlage hat hier aber noch ein mehr oder weniger primitives Ge- 
präge, der Art, dass sie im Wesentlichen auf die allgemeine Gestaltung 
asiatischen Säulenbaues, wie solche schon aus den ninivitischen Relief- 
darstellungen und aus den persepolitanischen Monumenten vorausgesetzt 
werden darf, zurückdeutet und dabei nur einen bedingteren Einiiuss der 
Sarkophng und Felsgral 
zu Autiphellos in Lycicn. 
ausgebildet grieehisch-ionischen Bauweise (die ihre Elemente ebenfalls aus 
jenem entnimmt) als annehmbar erscheinen lässt. Am meisten griechisch 
ist der Giebel dieser Monumente. Das Gebälk entspricht der einfach 
constructionellen Form, welche z. B. auch die an den persepolitanischen 
Grabfagaden ausgemeisselten Portiken zeigen, mit Angabe der Stirn der 
Querbalken (oder schwächerer Hölzer der Dachrüstung), welche auf dem 
mehrtheiligen Architrav aufliegen, ohne von diesem durch den ausschliess- 
lieh griechischen (wie es scheint: erst spät eingeführten) Zwischentheil
        

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