Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687154
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Pelasgerthxm. 
V. Das 
ist höchst eigenthümlieh, mit keiner sonst bekannten Bauweise unmittel- 
bar übereinstimmend. Die Faeaden der Gräber sind. wie massenhafte 
Hausfacaden gehalten, in massig pyramidalischer Neigung, mit starken, 
vielgegliederten, eigen proiilirten Krönungsgesimßen und mit einer in Re- 
lief angedeuteten Thür versehen, deren zwar einfache Umfassung einen 
gewissen phantastischen Zug hat. Zuweilen sind die Anlagen complicirt, 
mehrgeschossig, auch mit vortretenden Seitenflügeln. Ein ägyptisirendes 
Element, in der Gesammtanlage wie in einzelnen charakteristischen De- 
tails, ist in diesen Monumenten unverkennbar; doch zeigt sich dasselbe 
auf eigenthümliche Weise umgebildet. Das zu diesen Fagaden gehörige 
Grab ist eine Grotte von nicht erheblicher Ausdehnung mit in der Tiefe 
verborgenem Eingange.  Zwei der Facaden von Norchia erscheinen, 
abweichend hievon, als Nachbildung etruskischer Säulenportiken. 
Andre Gräber, zumal der jüngeren etruskischen Zeit, sind lediglich 
Grottenbauten, ohne äussere monumentale Dekoration. Sie bestehen häufig 
aus einer Anzahl symmetrisch disponirter Gemächer und zeigen zumeist 
bereits die Aufnahme von später griechischen baulichen Details. Doch 
haben sie nicht selten die bemerkenswerthe Eigenheit, dass ihre Decke 
die Construction einer hölzernen Bedaehung, zuweilen in sehr zierlichem 
Formenspiele, naehahmt. 
Die Ummauerung der alten Städte des mittleren Italiens entspricht 
der der griechischen Akropolen. Es ist zum grossen Theil dieselbe kyklo- 
pische Bauweise aus polygonem Gestein. Doch geht dieselbe in den Ge- 
genden, wo ein geeigneter Stein (der Tuf in den Ebenen von Etrurien 
und Latium) die Veranlassung gab, häufiger in einen mehr oder weniger 
geregelten Quaderbau über. Die Anlage der Thore ist wie die der grie- 
chischen Burgen. 
Mit dem altitalischen Quaderbau verband sich sodann, schon früh- 
zeitig, eine technische Oonstruction, welche für die architektonische Ge- 
sammtgestaltung von wesentlicher Bedeutung ist und diese in der Folge 
auf umfassendste Weise bewähren sollte. Es ist die Oonstruction des 
Keilsteingewölbes. Die Anfänge derselben sind unbekanntl Das 
älteste bestimmbare Beispiel findet sich zu Rom, den grossen Anlagen 
angehörig, welche unter den tarquinischen Königen, im sechsten Jahr- 
hundert, zur Entsumpfung der römischen Niederungen ausgeführt wurden. 
Es ist der grosse unterirdische, überwölbte Abzugskanal, welcher den 
Namen der Cloaca maxima führt und bereits eine vollkommen durch- 
gebildete Technik zeigt. Derselben Epoche scheint der überwölbte Car- 
cer Mamertinus, am Abhange des Kapitels, anzugehören.  Ein alter 
Thorbau zu Volterra in Etrurien, die sogenannte Porta delP Arco, ist 
am Eingange und am Ausgange mit einem Keilsteinbogen überwölbt und, 
bei geringer architektonischer Ausbildung, mit roher, aber wirksamer 
bildnerischer Zierde versehen, indem aus den untersten Steinen zu den 
Seiten des Bogens und oberwärts aus dem Schlusssteine menschliche Köpfe 
 
1 Vielleicht hatte inan das Keilsteingewölbe aus Aegypten überkommen, 
es sich, nach den uralten Ziegelgewölben der Urzeit, bereits in Gräbern 
26sten Dynastie vorfludet. S. oben, S. 47.) 
wo 
der
        

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