Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687132
82 
Das Pelasgerthwn. 
Mittel- 
Italien, 
vornehmlich 
Etrurien. 
Allgemeines. 
Die pelasgische Cultur der westlichen Lande gehört besonders dem 
mittleren Italien an. Hauptträger derselben ist Etrurien. Doch mischt 
sich hier mancherlei fremdartiger Einfluss ein; theils ist, neben den pe- 
lasgischen Stämmen, eine rohere Urbevölkerung vorhanden, theils wird 
ein aus den Alpen des Nordens eindringendes Element, das des Rasener- 
Stammes, in die volksthümliche Entwickelung aufgenommen. Lebhafter 
Handel trägt vielfach Einzelnes aus der Ferne herein. Es bildet sich 
hiedurch, auf der Grundlage des Pelasgischen, eine Art von Mischcultur, 
deren Bestandtheile sich hier und dort nachweisen lassen, der es gleich-e 
wohl indess an einer bezeichnenden Gemeinsamkeit der künstlerischen 
Sinnesrichtung nicht fehlt. Es ist etwas eigen Phantastisches in der 
etruskischen und ihr sich anschliessenden altitalischen Kunst, 1 das sich 
zu verschiedenen Zeiten in verschiedener Weise äussert. Zu einer klaren. 
Durchbildung, zu einem festen nationalen Abschlusse entwickelt sie sich 
aber nicht; sie bleibt vielmehr zur Aufnahme des Fremden geneigt. Die 
Typen der höher entwickelten griechischen Kunst der Folgezeit eignet 
sie sich um so begieriger an, als ohnehin die alte Stammesverwandtschaft 
vorlag und mancherlei Oolonialverhältniss das Gefühl der letzteren nährte- 
Doch macht sich auch bei der gräcisirt etruskischen Kunst, in mehr oder 
minder schlagender Weise, bis auf die späteste Zeit noch ein Zug des 
national Eigenthümlichen geltend.  Die feste Begründung des etruski-r 
scheu Staates gehört der Zeit um den Beginn des letzten Jahrtausends 
v. Chr. G., seine Blüthe der Zeit etwa bis zur Mitte dieses Jahrtausends 
an. Das alte Rom, namentlich zur Zeit der tarquinischen Könige (welche 
ein entscheidend einiiussreiches Verhältniss Etruriens auf Rom bezeich- 
nen), folgt den Weisen der etniskischen Oultilr und nimmt deren Ele- 
mente in sich auf. 
Architektur. 
Grabmäler und Mauerbau des mittleren Italiens stehen zunächst mit" 
den hellenisch pelasgischen Anlagen auf gleicher Stufe. Aber beide ent- 
wickeln sich zu neuen Combinationen, die besonders in der Anlage der 
Grabmäler ausgezeichnete monumentale Gestaltungen zur Folge haben. 
Auch völlig Neues schliesst sich den letzteren an. 
Die Grabmäler sind zum grossen Theil wiederum schlichte Erd- 
hüge], auf einer Unterlage von Steinen. Mehrfach haben sie eine sehr 
ansehnliche Dimension. Bei den bedeutenderen Anlagen wird die Basis 
 
1 Hauptwerke: Micali, storia degli antichi popoli itaüani, Abeken, Mitte]- 
italien vor den Zeiten römischer Herrschaft. Inghiramj, monumenti etruschi. M0- 
numentvi inediti, pubbl. dell" instituto di corrisp. archeol. Gailhabaud, Denkmäler 
der Baukunst, Lief. 77. Musei Etrusci, quod Gregorius XVI. P. M. in aed. Va- 
ticanis constihxit monimenta. U. A. m.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.