Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687115
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V. Das Pelasgerthum. 
dieser Halbsäulen erinnert in ihrer weicheren Gliederung und ihren Re- 
liefzierden lebhaft an altasiatische Formation (wie dieselbe sich u. A. an 
den reicheren Säulenbasen von Persepolis wiederholt); in den anderweiti- 
gen Ornamentbildungen herrscht im Einzelnen völlige Uebereinstimmung 
mit ninivitischer Verzierlmgsweise. 
Vorzüglich merkwürdig ist die Ausstattung des Hauptthores der Akro- 
polis von Mykenä, jenes sogenannten Löwenthores. Sie besteht in 
einer dreieckigen Reliefplatte von etwa 10 Fuss Höhe, welche das Drei- 
eck über der Oberschwelle des Thores ausfüllt. Das Material ist ein fei- 
ner gelblicher Kalkstein. Das Relief stellt eine Säule über breitemSUn- 
tersatze dar und auf jeder eite 
A,Ä eine Löwin, die, sich emporrich- 
Vllkilf   tend, die Vordertatzen auf den- 
f  Vfffßilfß,  {in selben Untersatz aufgestemmt hat. 
    Ll am Die Säule ist schlank, nach un- 
 M 1:;  l-X  ten verjüngt, mit Kapitälgliedern 
 5' Nil,     und einem besondern Aufsatze 
 f '  X  1,. "Ä  versehen; man erkennt in ihr 
   cf: das Bild des göttlichen Thorhü- 
',i717,l,'     i ters von Mykenä, des Apollon 
j   Q9 "j Agyieusf  ein architektonisch 
Ä    formirtes Beis iel 'en 1 lten 
 p  es ira 
Reue, des Löwenthores zu Mykeum  Pfeilersymbols. Die Köpfe der 
Löwinnen, die wahrscheinlich frei 
aus deinGrunde vertraten, sind abgebrochen. Bei einer eigen stumpfen 
Technik ist in diesen thierischen Gestalten etwas Schlichtes, Breites, Na-. 
turalistisches, das ebenso von der Auffassung der gesammten späteren 
griechischen Kunst abweicht, wie es die meiste Verwandtschaft mit alt- 
asiatischer Bildnerei hat. Auch einige bezeichnende Details an Säule und 
Untersatz haben das weichere orientalische Gepräge.  
Wichtige Zeugnisse für die Kunst der pelasgischen Epoche enthalten 
endlich die homerischen Dichtungen. Homer steht auf der Grenz- 
scheide zweier Weltalter. Die schöne menschliche Naivetät, zu welcher 
hin das Griechenthum sich entfalten sollte, hat in seinen Gesängen schon 
ihren vollständigen Ausdruck gefunden. Er ist der Lebensquell für alle 
späteren Schöpfungen der griechischen Welt: seine Anschauungen aber 
sind die der Vergangenheit und beruhen auf den culturgeschichtlichen 
Erscheinungen, die-bis zu seinen Tagen (zumal in den Hanptstätten sei- 
ncr Anschauung, den ionischen Küsten Kleinasiens,) herüber-reichen. Was 
er an Denkmälern, anBau- und Bildwerken schildert, entspricht im We- 
sentlichen noch immer den Elementen pelasgischer Cnltur, scheint im 
Einzelnen aber allerdings die letzten Ausläufer derselben zu bezeichnen. 
Die Grabdenkmäler gefallener Helden sind bei Homer noch immer 
Mykenische 
Gerhard, 
Alterthümer ,
        

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