Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1685854
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1687091
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Das Pelasgerthum. 
urthümliehe Beschaffenheit. Es sind einfach mächtige Erdhügel, zuweilen 
auf einer Unterlage von Steinen, zuweilen auf dem Gipfel mit einem auf- 
gerichteten Steinmal gekrönt. Die trojanische Ebene hat eine erhebliche 
Anzahl solcher Hügel. Auch in Hellas kommen Beispiele derselben vor. 
Für den Tempelbau fehlt es fast ganz an Nachrichten und Resten. 
Ein kleines rohes Gebäude am Berge Ocha auf der Insel Euböa, ' ein 
längliches Viereck mit dicken senkrechten Wänden, niedrig, daehartig 
mit übereinander vorkragenden Steinplatten bedeckt, wird (obgleich nicht 
ohne Widerspruch) für einen Heratempel der pelasgischen Vorzeit gehalten. 
Der hienach vorauszusetzende Mangel eines irgendwie ausgebildeten 
Tempelbaues findet seine Begründung in der Unbildlichkeit der Götter. 
Die Götter, welche das griechische Volk ursprünglich verehrte, standen 
der Phantasie noch nicht in lebendig ausgeprägter Gestalt gegenüber; 
rohe Symbole, wie überall auf den primitivsten Stufen, vertraten ihre 
Stelle. Noch in der Spätzeit des griechischen Alterthums hatten sich 
solche Symbole erhalten. Pausanius sah deren an mehreren Orten: zu 
Orchomenos in Böotien einige einfache Steine, welche als Bilder der Cha- 
riten verehrt wurden; zu Phara in Achaja etwa dreissig viereckige Steine, 
welche die Namen verschiedener Götter trugen; zu Sikyon einen Zeus 
Meilichios von roherpyramidalischer Form und eine Artemis Patroa, die 
einer Säule ähnlich (etwa wie ein keltischer Menhir?) gebildet warf An- 
derweit werden andre Götterbilder der Art erwähnt. Die Hermenbilder, 
viereckige Steinpfeiler mit einem menschlichen Haupte, scheinen eine 
ebenfalls noch primitive Fortbildung dieser urthümlichsten Gestaltung zu 
bezeichnen, etwa in ähnlichem Sinne, wie jene rohen Hermenpfeiler, welche 
neuerlich auf der Oster-Insel (oben, S. 9, f.) aufgefunden wurden. Die 
Hermenbildnng soll in Attika ihren Ursprung genommen haben. 3 Die 
spätere griechische Kunst hat das alterthümliche Motiv vielfach wiederholt. 
Wichtigere Denkmäler sind die Reste der gewaltigen Mauern, mit 
denen die alten Akropolen, die Königsburgen der hellenisehen Ländchen, 
umgeben und geschützt waren. Es ist zwar (abgesehen von schmücken- 
der Zuthat im Einzelnen) kaum Etwas von künstlerischer Gestaltung auch 
in ihrem Gefolge; aber es kündigt sich darin eine bestimmte Sinnesrich- 
tung, in der ganzen Art der Ausführung eine Verbindung von Verstand 
und machtvoller Energie an, die in solcher Weise dem pelasgischen Grie- 
chenthum eigenthümlich zu sein scheint. Die Mauern sind aus möglichst 
kolossalen Felsblöcken, vieleckig und vielkantig, wie sie in dem spröden 
Kalkgestein der Berge gebrochen wurden, errichtet; in denjiltesten Bei- 
spielen in einer rohen Technik, grosse Lasten und kleines Gestein da- 
zwischen zur Ausfüllung der Lücken; später in sorglich berechneter Weise, 
Ecken und Winkel überall scharf ineinander greifend, und hiedurch ein 
so fester Wleärband wie sichere Lagerung bewirkt. Derartig polygonisches 
Mauerwerk 'rd mit altem Namen als kyklopisch bezeichnet; erst all- 
mählig entwickelt sich daraus ein mehr und mehr geregelter Quaderbau. 
 Für architektonische Einzelform kommen hiebei nur die Thore in Be- 
 
1 Monumenti ined. delP irßt. di eorrispondenza areheol. III, t. 
IX, ss, 1; VII, 22, s; II, 9, e.  3 Pausan. IV, 33, 4. 
2 Pall"
        

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