Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680834
Erstes Kapitel. 
Baukunst. 
Griechische 
75 
Decke und" des Daches entgegen zu streben. Diese und andere Feinheiten 
der technischen Ausführung legen ein Zeugniss von der hohen Vollendung 
der architektonischen Praxis bei den Griechen ab.  
Da sich die künstlerische Dürchblldung des griechischen Tempels vor- 
züglich am Aeusseren geltend machte , so war das Innere nur von unter- 
geordneter Bedeutung. ES diente nur dem Bilde desGottes als Behältniss 
und verlangte daher als Haupterforderniss eine Cella, vor Welcher der 
P ro n a 0 s (die Vorhalle) den Zugang vermittelte, während an der Rückseite 
die entsprechende Siiulenstellxmg das Pos t1cum bildete. Manchmal wurde 
von der Cella noch ein besonderer Hinterraum (O p i sthodomos) geschie- 
den. Bei grösseren Tempeln wurde, um dem Innern mehr Licht zu geben, 
eine Vorrichtung getroffen, vermöge welcher der mittlere Theil des Daches 
entfernt und eine OeHhung (Öpaion) gebildet werden konnte. Man nannte 
diese Gebäude, weil solchergestalt die Cella unter freiem Himmel lag, 
Hyp iith r altempel. Das Dach ruhte nach innen dann auf zwei. Säulen- 
Stellungen, welche ihrerseits wieder auf dem Gebälk zweier unterer Säulen- 
reihen standen (Fig. 47). Dadurch wurde ein mittlerer hypäthralcr Raum 
gebildet, auf beiden Seiten unten von schmaleren Gängen, oben von Emporen 
eingefasst. 
Fig. 47.  
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Tempel des Poseidon zu Pacstuin. Querschnitt.  
Inneres. 
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tvmpel. 
Die Verhältnisse dieser Gebäude waren durchweg mässig und selbst Bestimmung 
die grössten können sich nicht mit der Kolossalität indischer und ägypti- (lcsirelnpcls' 
scher T emPel Vergleißhßll- Der Grund davon ist in ihrem Zweck gegeben. 
Denn während die hVallfahrt-Tßmpel der Inder und Aegypter bestimmt  
waren, eine grosse Menge zu gottesdienstlicher Feier zu umfassen, war der 
griechische Tempel, mochte er ein Cult- oder ein A gonal-Temlyel sein, Culttempel. 
ohne solche Bedeutung nur als das Haus des Gottes gedacht. Desshalb 
entwickelte er nur eine Architektur des Aeusseren, die durch die 
Siiulenhalle und den Bildsehmuck des Giebels vertreten war. Desshalb  
umgab ihn in weitem Kreise fest umgrenzt ein heiliger Tempelbezirk, inner- 
halb dessen , dem Eingänge gegenüber, der Brandopfer-Altar sich erhob. 
Hier versammelte sich zur Feier der Festädas Volk, dem durch die geöff- 
neten Pforten der Bliek in's Heiligthum gewährt wurde. Wer aber in's
        

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