Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680819
Erstes Kapitel. 
Griechische Baukunst. 
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jedoch innerhalb der festgesetzten Schranken, entlehnte. Anders verhält 
es sich mit den in Kleinasien, besonders in Phry gien und Lycien ent- 
deckten Grab denk mälern, von denen wir oben gesprochen haben. Gtflftfüli" 
Obwohl aus steinernen Facaden bestehend, die mit einem Giebel und ande-  
ren Formen griechischer Kunst ausgestattet sind, schliessen sie sich doch 
in unverkennbarer Weise einer alten einheimischen Holz-Architektur an 
und geben besonders mit ihren flachen, ausdruckslosen Profilen den An- . 
Schein von Bretterfacaden.  
Mit Recht hat man das Wesen des griechischen Tempels durch den Tempel- 
Bcgriff des Säulenhauses ausgedrückt. Auf einem mächtigen, aus gros- Whcm" 
sen Steinblöcken fest und sorgfältig gefugten Unterbau (Krepidoma) von 
drei oder mehreren Stufen wird das Gebäude gleichsam als ein der Gottheit 
dargebrachtes Weihgeschenk über die umgebende Landschaft erhoben. Der 
Tempelbezirk, der geweihte Temenos, der den Tempel umschliesst , wird 
im ganzen Umfange durch eine Mauer, in welche meistens eine bedeutsam 
angelegte Eingangshalle (Propylaion) führt, abgetrennt. Die Stufen der 
Tempel-Platform (des Stereobat) sind, wie schon aus ihrer Höhe hervor- 
geht, nicht als Treppen angelegt; um den Aufgang zu vermitteln, wurden 
an der vorderen und hinteren Schmalseite in der Mitte kleinere Treppen- 
stufen eingefügt. Auf der glatten Oberfiäche des Unterbaues , dem aus 
sorgfältig gefugten Platten gebildeten Stylobat , erhebt sich der Tempel als 
Rechteck, dessen längere Seiten ungefähr das Doppelte der schmaleren 
messen. Die Seite des Einganges ist die östliche, so dass das Bild des 
Gottes in der Cella, dem Eintretenden zugewandt, nach Osten schaut. 
Ringsum oder doch wenigstens vorn oder an beiden Schmalseiten bezeichnet 
die dem Privathause untersagte Säulenreihe die Bedeutung des Tem- 
pels. Sie stützt das aus mächtigen Steinblöcken zusammengesetzte Gebälk 
und durch dieses das steinerne Gieb eldach mit seinen Bildwerken, 
ebenfalls ein ausschliessliches Vorrecht des Tempelbaucs. Die Zwischen- 
räume der Säulen werden durch eherne Gitter abgeschlossen, damit Unbe- 
fugten der Zugang gewehrt werde. Die Decke der Siiulenhalle wird aus 
Steinbalken gebildet, welche einerseits auf dem Gebälk der Säulen, andrer- 
seits auf der Cellamauer aufliegen. Die Zwischenfelder (Kalymmatien) 
werden mit dünnen steinernen Platten ausgefüllt, die man durch viereckige 
Aushöhlungen (Kassetten) noch mehr erleichtert. Fenster kennt der grie- 
chische Tempel in der Regel nicht. Dagegen ist in der Mitte seiner vorderen 
Giebelseite eine mächtige Flügelthür angebracht. Um diese nicht zu ver- 
decken, musste die Anzahl der an dieser Seite stehenden Säulen eine 
gerade sein. 
Die S äulen bestehen aus Basis, Schaft und Kapital. Durch die Basis Aufbau des 
(den Fuss) sind sie mit dem Fussboden verbunden; der Schaft (Stamm)  
bildet das vorwiegende, die Function des Stützens erfüllende Glied; das 
Kapital bereitet ein sicheres Auflager für das Gebälk. Dieses besteht zu- 
nächst aus dem ArChitTa-V tEPistylion) , mächtigen Steinbalken, die von  
einer Kapitälmitte zur anderen reichen , die Säulenreihe zu einem Ganzen 
Verknüpfend. Auf dem Epistyl ruht der Fries, dessen Vorderfiäche mit 
Bildwerken in Relief geschmückt wurde und daher bei den Alten Zophoros 
(Bildträger) hiess. Dieser trägt nach aussen die weit vertretende Platte des 
Hau p tge sim s e s oder Geison, nach innen die Steinbalken der Hallendecke.
        

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