Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart ; mit 448 Holzschnitt-Ill.
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1679428
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1680620
Erstes Buch. 
Tempel vu 
K arnak. 
höchster Blüthe sich erhob. Den Glanzpunkt dieser durch Jahrhunderte 
sich hinziehenden Epoche bildet Ramesses II, Miamun, auch Ramses der 
Grbsse genannt, der den ägyptischen Namen bis in Asien hinein furchtbar 
machte. Unzählige 'l'r1'immermassen, die an Umfang und lNIassenhaftigkeit 
wohl unerreicht dastehen, zeugen noch jetzt von den kolossalen Bauunter- 
nehmungen jener Dynastien. Theben, von den Alten das vhundertthorigea 
genannt, lag an einer Stelle des Nil, wo der Strom in einer Breite von 1300 
Fuss sich majestätisch durch die Ebene wälzt, die hier in weiterer Entfer- 
nung von den-begleitenden Gebirgszügcn eingefasst wird. Die Ausdehnung 
der Stadt maass nach der Länge wie nach der Breite zwei Meilen. Das ganze 
Gebiet der ehemaligen Stadt wird jetzt durch die Ueberreste zahlreicher 
Tempel und anderer mächtiger Gebäude bedeckt. Sie führen gegenwärtig 
nach den elenden Dörfern, die sich mit ihren armseligen Hütten in die 
Ruinen uralter Pharaonen-Herrlichkeit eingenistet haben, den Namen. 
Das durch Alter und Grossartigkeit hervorragendste Denkmal ist der 
auf dem östlichen Nilufer gelegene Tempel von Karnak , ._in welchem man 
den berühmten Ammonsternpel wiedererkannt hat. Eine Reihe von Herr- 
schern hat an diesem Monumente gebaut, das ein Palladium des neuen 
Reiches gewesen zu sein scheint. Eine Doppelallee von riesigen Widder- 
sphinxen führte nach dem Hauptportalc. Dieses öffnete sich über 60 Fuss 
hoch, zu beiden Seiten von einem Pylon eingeschlossen, der bei 336 Fuss 
Breite sich 138 Fuss hoch erhob. Durch die bronzenen"Flügelthüren des 
Hauptportales gelangte man in einen ungeheueren Vorhof von 270 Fuss 
Tiefe und 320 Fuss Breite. Eine doppelte Säulenreihe leitete den Nahenden 
durch diesen Vorraum zu einem zweiten Pyloncnthor von noch weit kol0s- 
salerer Anlage. Durch dieses gelangte man zu einem Säulensaale , der die 
riesigste aller Vorhallen bildet, den Inschriften nach von Sethos I. begonnen 
und von dessen Nachfolgern im Laufe des 14. und 15. Jahrh. v. Chr. be- 
endet] Er misst 320 Fuss Breite bei 164 Fuss Tiefe. Seine gewaltige 
Steindecke wird von 134 Säulen getragen, deren jede eine Höhe von 40 
und einen Umfang von 27 Fuss hat. Doch nimmt auch hier eine Doppel- 
reihe die Mitte ein, um den Zugang in der Axenriehtung des Gebäudes 
weiter zu bezeichnen. Ihre einzelnen Säulen erhoben sich 06 Fuss hoch 
bei einem Umfange von 38 Fuss, so dass die mittlere, höher gelegene Stein- 
bedachung des Saales auf Kapitälen ruhte, deren Umfang (34 Fuss Inaasg, 
Alle Säulen und Wandtlächen dieses ungeheueren Saales waren mit bunt- 
bemalten Reliefs einer Riesenehronik der Pharaonen geschmückt.  
Die mittlere Säulenreihe führte auf ein drittes Pylonthor von ebenfalls 
kolossaler Anlage , durch welches man in einen schmaleren, freiliegenden 
Hof trat. Dieser schloss den eigentlichen Kern des Tempels ein, der wie- 
derum von einem vierten Pylon und einer damit verbundenen Umfassungs? 
mauer begrenzt wurde. Vor diesem Pylon erhoben sich zwei von Thutmes I. 
errichtete granitne Obelisken, der eine 00, der andere 69 Fuss hoch. In der 
Axe des Gebäudes weiter sehreitend, gelangte man in eine LIenge schmaler, 
niedriger, theils unbedeckter, theils bedeckter Räume, die, schachtelartig 
in einander gebaut, durch Gange und Pforten in Verbindung standen, durch 
Pfeilergalerien geschmückt waren. Eine Menge anderer Gemächer und 
säulengetragener Säle mit karyatidenzirtigen Kolossen, Corridoren und Gän- 
gen schlossen sieh hier zu beiden Seiten und nach hinten an, grossentheils
        

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